Interview mit ALEX HONNOLD

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Wie war es, als du El Capitan das erste Mal bestiegen hast?

Einfach unfassbar. Mein Partner und ich hatten damals das große Ziel, El Capitan an nur einem Tag zu besteigen – egal wie, nicht im Free Climbing, es ging darum, alles zu tun, um oben anzukommen. Wir haben die ganze Saison dafür trainiert. Es war ein großes Abenteuer, eine große Herausforderung. Wir haben für die leichteste Route 23 Stunden benötigt. Das zu tun, hat uns eine ganz neue Welt des Kletterns eröffnet.

Du hast gesagt, dass El Capitan im Free Solo zu besteigen für dich der ultimative Aufstieg war, auf den du hingearbeitet hast, der Höhepunkt des Erfolgs. Was waren deine Gedanken an dem Morgen, als du auf El Capitan zugelaufen bist, um ihn im Free Solo zu erklettern?

Ich habe eigentlich an nichts gedacht. Der Sinn der langen Vorbereitung war, sicherzugehen, dass ich mir an dem Tag über nichts mehr Gedanken machen muss. Alle Gedanken hatte ich mir schon im Vorfeld gemacht. An dem Morgen habe ich wie auf Autopilot nur noch ausgeführt. Ich habe aber an einem anderen Ort geparkt, weil ich niemandem auf der Wiese begegnen wollte. Dadurch bin ich die gesamte Ostwand entlanggelaufen und dachte mir, „Das ist echt ein großer Fels.“ Ich wusste aber, dass ich bereit war und dass es nun losgehen konnte.

Hast du zusätzlichen Druck gespürt, weil ein Film darüber gemacht wurde?

Nicht wirklich. In vielerlei Hinsicht wollte ich das Filmprojekt sogar. Ich habe sogar extra etwas Zeitdruck ausgeübt, damit ich motiviert genug bin, um mit der Vorbereitung zu beginnen. El Cap zu erklettern ist etwas, von dem ich seit Jahren geträumt, aber es nie getan habe, weil es zu abschreckend und zu groß war. Also brauchte ich eine Extra-Motivation, um die Sache anzugehen und mit der Arbeit zu beginnen. Meine größte Angst war, dass ich es mein ganzes Leben lang nicht versuchen würde. Es gab sechs oder sieben Jahre, in denen ich mir sagte: „Dieses Jahr erklettere ich El Cap im Solo“, und dann stand ich im Yosemite und musste feststellen: „Nein, das ist nicht das Jahr und ich werde es auch nicht versuchen.“ Ich brauchte einen Grund, um die Mühe auf mich zu nehmen und zu sehen, ob es möglich ist.

Wie ist deine Orientierung, wenn du kletterst? Schaust du oft nach unten? Wie bewusst bist du dir darüber, wie weit du dich über dem Grund befindest?

Ich bin mir dessen sehr bewusst. Ein wichtiger Teil beim Erklimmen großer Felswände besteht in dem Gefühl komplett schutzlos zu sein und in der Erkenntnis, sehr weit vom Boden entfernt zu sein. Das macht einen Großteil des Reizes für mich aus. „Ob ich nach unten schaue?“ Natürlich schaue ich nach unten. Aber in den Bewegungen des Kletterns schaut man dauernd auf seine Füße und seine Hände und das bedeutet nicht, dass ich mir Gedanken darüber mache, wie ungeschützt ich bin. In erster Linie geht es ums Klettern.

Woher kommen dein Selbstbewusstsein und dein Selbstvertrauen?

Für mich hat das viel mit Rationalismus zu tun, einer einfachen Einschätzung der objektiven Realität: Kann ich das? Und wenn ja, dann mache ich es einfach. Wenn ich etwas am Seil mehrmals gemacht habe, dann kann ich es offensichtlich körperlich schaffen, also gibt es keinen wirklichen Grund, warum ich es ohne Seil nicht schaffen sollte.

Wie ist deine Einstellung gegenüber dem Schicksal, insbesondere bei dem was du tust? Viele Leute würden sagen, dass du dich auf einem sehr schmalen Grat zwischen Leben und Tod bewegst.

Ich hoffe, sie liegen damit falsch! Aber wer weiß das schon? Ich war nie wirklich religiös oder spirituell. Ich bin kein großer Anhänger des Schicksalsglaubens. Ich glaube eher an Wahrscheinlichkeiten, Möglichkeiten und die Realität. Schicksal beeinflusst mein Denken in keiner Weise. Aber ich denke definitiv über Sterblichkeit nach und über die Tatsache, dass das Leben jederzeit vorbei sein kann. Ich bin mir sehr bewusst, dass ich nur eine begrenzte Zeit hier habe und will das Beste daraus machen, will das tun, was ich kann. Ich denke, dass mein Wunsch, beim Klettern alles zu geben, teilweise auch daher stammt, dass ich weiß, dass ich nur für eine gewisse Zeit hier bin.

Hast du bereits eine Ahnung, was die nächste große Herausforderung sein wird?

Tatsächlich nicht. Was eine „El Cap“-ähnliche Herausforderung angeht wird es, glaube ich, noch ein oder zwei Jahre dauern, bis ich wieder von etwas Großem inspiriert sein werde. Wir werden sehen.

Ich glaube, es ist fair zu sagen, dass du Sachen tust, die viele Leute aus Angstgründen niemals tun würden. Was ist hier der Unterschied? Liegt es daran, dass du gelernt hast, mit Angst umzugehen oder ist das angeboren?

Teilweise liegt es daran, dass ich so viel Zeit damit verbracht habe, Angst zu haben. Ich habe sehr viel Erfahrung mit Angst, wahrscheinlich mehr als die meisten Menschen. Und ich glaube, das erlaubt mir zu differenzieren, wann ich wirklich in Gefahr bin und wann ich entsprechend handeln sollte – egal ob diese Angst, die ich fühle, beträchtlich ist oder nicht.

Also ist es Übungssache?

Angst und die Funktionsweise des Gehirns – das ist so ein interessantes und kompliziertes Thema. Es gab mal einen Artikel im Nautilus Magazin zu einer Studie über meine Amygdala. Eine Sache, die ich dem Artikel entnommen habe ist, dass mein Gehirn an sich bereits etwas weniger aufleuchtet als normal, also stehe ich wahrscheinlich schon von Natur aus an der unteren Skala des Spektrums, was Angstreflexe angeht. Das, in Kombination mit vielen Jahren, in denen ich mich immer wieder der Angst ausgesetzt habe, führte wahrscheinlich dazu, dass ich jetzt recht abgestumpft bin.

Warum gehst du klettern?

Weil es überwältigend ist.


Interview mit ELIZABETH CHAI VASARHELYI

Was hat dich dazu bewegt, diesen Film zu drehen?

Alex ist ein faszinierender Mensch und ein guter Freund von uns. Es lag relativ klar auf der Hand, dass ein Film über ihn gedreht werden muss! Schon bevor wir wussten, dass er vorhat, El Capitan free solo zu klettern, liebäugelten wir damit, eine Charakterstudie über ihn zu drehen. Alex und ich verabredeten uns und er blieb für eine Weile bei mir in New York. Dort verriet er mir dann, dass er sich gerade auf eine Free-Solo-Begehung des El Capitan vorbereite. Diese Info veränderte unser Vorhaben natürlich ein wenig.

Was mich zu der Story hinzog, war die ganz einfache Tatsache, dass es Alex, als er noch ein kleiner Junge war, leichter fiel, für sich alleine und ohne Seil klettern zu gehen, als jemanden zu fragen, ob er mit ihm klettern gehen wolle. Hinter diesem kleinen Gedanken steckt etwas, in das ich mich hineinversetzen konnte und ich spürte, dass es vielen Menschen genauso gehen werde. Für jemanden wie ihn ist diese Haltung so unwahrscheinlich – angesichts seines Talents kann man sich nicht wirklich vorstellen, dass dies seine Ausgangssituation war. Hinzu kommt noch die inspirierende Komponente seines Tuns. Ich fragte mich: „Wenn er das mit seiner Angst tun kann, was kann ich dann mit meiner Angst tun?“

Wie war es, mit Alex vor der Kamera zu arbeiten?

Es war wunderbar, weil er so aufrichtig ist. Er ist ein sehr unvoreingenommener, ehrlicher und intelligenter Mensch. Er ist einer der belesensten Menschen, die ich kenne. Er ist unglaublich gewissenhaft, steht seinen eigenen Grenzen offen gegenüber und dachte sehr gerne und gründlich über die Fragen nach, die wir ihm stellten. Wenn er nicht sofort eine Antwort parat hatte, dachte er weiter darüber nach und beantwortete die Frage zu einem späteren Zeitpunkt. Er ist in dieser Hinsicht sehr engagiert.

Was waren die größten Herausforderungen, denen ihr euch beim Dreh stellen musstet?

Ganz klar die Gefahr und die ethischen Fragen, die mit ihr einhergehen: Wollen wir diesen Film wirklich machen? Und falls ja, wie finden wir einen Konsens zwischen unserer Vorstellung, Alex zu würdigen und der Art, wie er gerne seinen Aufstieg gefilmt haben möchte? Und wie bekommen wir die emotionalen Momente, von denen wir wussten, dass wir sie brauchen werden, damit FREE SOLO kein bloßer Kletterfilm wird. Als Filmemacher weiß man, dass man genau diese realen Momente einfangen muss, aber oft sind das die schwersten für die Menschen vor der Kamera.

Im Hinblick auf das zu wagende Risiko trägt definitiv Jimmy den größten Anteil auf seinen Schultern, denn das ist seine Welt. Sein Job ist es, eine Risikobewertung unter genau diesen Umständen vorzunehmen. Meine Verantwortung liegt eher in der Frage: Werden wir der Geschichte in einer Weise gerecht, die den Geisteszustand respektiert, in dem man sich befinden muss, um einen Felsvorsprung free solo zu klettern?

Alex hat alles so gut einstudiert und ist vorbereitet. Er hat seinen eigenen Ablauf. Wie also schafft man es, diesen Ablauf zu respektieren und dabei gleichzeitig die realen Momente zu filmen, die so wichtig sind? Wie stellst du sicher, dass man seine Augen sehen kann, bevor er zu klettern beginnt? Denn das bringt den Zuschauer dazu, sich auf den Film einzulassen. Das war wahrscheinlich der schwierigste Part – das Gleichgewicht zwischen einem bedeutungsvollen Film auf der einen Seite und der sehr realen Gefahr seines Vorhabens auf der anderen Seite zu schaffen.

Was hast du gedacht, als du El Cap gesehen hast?

Er ist gewaltig. Jimmy und ich gingen hin, saßen dort auf der Wiese und sahen über uns die Lichter der Menschen, die die Nacht an der Felswand verbrachten. Er ist so unvorstellbar hoch. Und was so einzigartig im Yosemite ist, ist die Tatsache, dass man einfach hochlaufen kann.


Interview mit JIMMY CHIN

Wann hast du Alex zum ersten Mal getroffen?

Das war ungefähr 2009. Alex war dieser aufstrebende Kletterer, über den niemand viel wusste. Doch dann, wie aus dem Nichts, zog er ein paar der gefährlichsten Kletternummern ab, die die Kletterwelt je gesehen hatte. Er kletterte eine Route free solo, genannt Moonlight Buttress im Zion Nationalpark und dann absolvierte er, ebenfalls free solo, die Regular Northwest Route am Half Dome, eine ikonische Kletterstrecke. Vor Alex gab es nur wenige wirklich großartige Free-Solo-Kletterer, von denen John Bachar und Peter Croft wahrscheinlich die berühmtesten sind. Free-Solo- Klettern ist außergewöhnlich. Es verlangt sehr viel Hingabe, weil du ohne Sicherheitssystem kletterst, das dich auffangen könnte, wenn du abrutschst oder einen Fehler machst.

Wenn du normalerweise beim Klettern Angst bekommst oder müde wirst, beginnt deine Technik darunter zu leiden. Deine Atmung erhöht sich, dein Herz beginnt wilder zu schlagen. Kurz gesagt: Deine Fähigkeit zu klettern bricht in sich zusammen. Wenn du mit einem Seil kletterst, hast du die Möglichkeit dich fallen zu lassen, denn das Seil wird dich auffangen. Wenn du free solo unterwegs bist, ist das ganz offensichtlich keine Option. Du musst deine physischen und mentalen Kapazitäten auf einem ganz anderen Level beherrschen. Du musst in der Lage sein, deine Angst komplett zu kontrollieren, was sehr schwer zu erreichen ist. Und was Alex so außergewöhnlich gemacht hat, ist, dass er die wirklich hohen Felswände geklettert ist.

Es verlangt Selbstbeherrschung auf einem sehr hohen Level. Als die Leute hörten, dass er es geschafft hat … Nun, es ist nicht so, dass jemand damit angeben müsse, Half Dome free solo bezwungen zu haben. Allein die Tatsache, dass jemand es getan hat, sagt alles über die Kletterfähigkeiten einer Person. Zu der Zeit war eine Free-Solo-Besteigung von Half Dome etwas, über das Kletterer nicht einmal sprachen oder nachdachten. Diese Möglichkeit existierte gar nicht in ihrem Bewusstsein. Nachdem er es also geschafft hatte, war die allgemeine Reaktion: „Wow. OK. Die Latte wurde gerade höher gehängt.“

Wann hast du erfahren, dass Alex vorhat, El Capitan free solo zu klettern und was hast du gedacht, als du davon gehört hast?

Yosemite ist eine Art Testgelände für Kletterer, besonders in der Welt der großen Wände. Wenn du ein ernstzunehmender Surfer bist, zieht es dich an die Nordküste von Oahu und du versuchst dort die große Welle zu reiten – dort beißt du dir die Zähne aus, dort machst du dir in der Szene einen Namen. Wenn du Kletterer bist, gehst du in den Yosemite Nationalpark und kletterst Half Dome und El Capitan. Das sind die beiden ikonischen Formationen und sie zu klettern ist eine Art rite de passage. Nachdem Alex Half Dome erklommen hatte, war – sofern man es überhaupt wagte, darüber nachzudenken – El Cap der nächste logische Schritt.

Aber da sprach niemand drüber. Alex schon seit Jahren zu kennen, ließ mich zwar darüber nachdenken, dass er auf eine solche Idee kommen könnte, aber ich hielt es nie ernsthaft für eine Option. Wir waren Freunde, deshalb sprach ich meine Gedanken nie aus. Hätte ich diese fixe Idee in Umlauf gebracht, hätte Alex es womöglich tatsächlich in Erwägung gezogen. Deshalb wollte ich mit ihm nicht darüber reden.

Wie ist der Film über seine Besteigung des El Capitan dann entstanden? Kam Alex mit der Idee auf dich zu?

Nach unserem Erfolg mit „Meru“ beim Sundance Film Festival bekamen Chai und ich Anrufe von Studios und Produzenten, die wissen wollten, was wir als nächstes vorhaben. Chai und ich sprachen über ein paar unterschiedliche Ideen. Ich hatte den Gedanken im Hinterkopf, einen Film über Alex zu drehen, aber ich war in einem Gewissenskonflikt, weil Free-Solo-Klettern gefährlich ist. Ein Film über Alex würde zwangsläufig zum Großteil aus Free-Solo-Klettern bestehen. Ich wusste ganz genau, was ein solcher Film bedeuten würde, welche Belastung er für alle Beteiligten mit sich bringen würde, weil da nicht viel Spielraum für Fehler ist und der Einsatz, der auf dem Spiel steht, außergewöhnlich hoch wäre. Ich sagte zu Chai: „Du musst darüber nachdenken.“ Wie ich, glaubte auch Chai, dass der Film sehr interessant werden könnte, weil die Entscheidungen, die du als Free-Solo-Kletterer fällen musst, auf einige wirklich sehr harte Entscheidungen hinauslaufen – genau genommen auf die wesentlichen und härtesten Entscheidungen, die ein Mensch im Leben fällen kann. Die interessante Frage lautet: Wie trifft jemand diese Entscheidungen? Zu diesem Zeitpunkt sprachen wir lediglich über einen Film über Alex als Kletterer, weil er mir gegenüber bis dahin nie etwas davon gesagt hatte, dass er El Cap free solo klettern wolle. Als sich Chai mit Alex zum Gespräch traf, wollte sie lediglich ein Gespür dafür bekommen, ob er ein interessanter Charakter wäre, über den sich ein Film machen ließe. Und in dieser Unterhaltung verriet er ihr, dass er darüber nachdachte, El Capfree solo zu klettern. Als ich Chai hinterher fragte: „Na, wie war dein Gespräch mit Alex?“, sagte sie: „Es war großartig. Er erzählte mir, dass er gerne El Cap free solo erklimmen würde.“ Ich hielt sofort inne und dachte in diesem Moment nur: „Ich glaube nicht, dass ich damit umgehen kann. Ich glaube nicht, dass ich diesen Film machen kann.“ Als Kletterer und Filmemacher kannst du nur an eines denken: die Vorstellung, dass Alex abstürzt und ich womöglich dabei bin. Und wir sprechen hier von einem guten Freund von mir!

Darüber hinaus bin ich mir als Filmemacher natürlich vollkommen im Klaren über das Phänomen der sogenannten „Kodak courage“, das besagt, dass Menschen vor der Kamera mitunter Dinge tun, die sie ohne gefilmt zu werden niemals tun würden. Genau aus diesem Grund arbeite ich nicht mit Athleten, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie sich zu derartigen Entscheidungen hinreißen lassen könnten. In vielerlei Hinsicht ist es das, was einen Profi ausmacht: in der Lage zu sein, gute Entscheidungen zu treffen und sich vom Druck nicht beirren zu lassen. Aber ehrlich gesagt, ist es unmöglich den Druck nicht zu spüren, wenn da ein Film gedreht wird und viele Leute um dich herum arbeiten, obendrein auch noch Geld im Spiel ist und jeder Beteiligte Wochen damit verbringt, sich auf die Dreharbeiten vorzubereiten. Das heißt, wenn es da draußen jemanden gibt, dem ich mehr als jedem anderen mit dem ich je zusammengearbeitet habe zutraue, die richtigen Entscheidungen zu treffen, dann ist es Alex. Er ist einfach so drauf, dass er mit Druck von außen sehr gut umgehen kann. Seine Entscheidungen werden davon nicht beeinflusst… allerdings sind wir alle nur Menschen.

Viele Menschen können es kaum ertragen hinzuschauen, wenn sie Filmmaterial von Alex’ Klettertouren sehen. Sogar, wenn sie wissen, dass alles gut gehen und Alex sicher oben ankommen wird. Wie war es, den Aufstieg in Echtzeit zu filmen, in dem Moment, als es wirklich passierte?

Bevor du anfängst, musst du deine Grundvoraussetzungen genau überprüfen: Vertraue ich Alex, die richtigen Entscheidungen zu treffen? Du musst dich selbst daran erinnern: Ja, ich vertraue ihm. Nachdem du dich dessen versichert hast, musst du die Gedanken wegschieben und auf Autopilot schalten, damit du dich voll auf das konzentrieren kannst, was du gerade tust, denn da ist eine Menge los um dich herum. Du darfst keine Fehler machen. Du darfst keine Linsenverschlusskappe verlieren, die 25, 30 oder 300 Meter fallen, ihn treffen und möglicherweise töten könnte. Da ist soviel, über das du nachdenken musst. Und natürlich, nicht zu vergessen, hängst du dabei an einer riesigen Felswand. Du musst dich also gleichzeitig auf deine eigene Sicherheit konzentrieren. Dein Kamera-Equipment muss ständig drehbereit sein und du musst immer genau wissen, welche Linse du benutzen willst. Außerdem musst du dafür sorgen, dass Wasser und Essen für jeden Tag ausreichen. Als Kletterer, wie auch als Filmemacher können dir Dinge passieren. Ich sage ständig zu meiner Crew: „Keine Fehler, immer volle Konzentration auf die jeweilige Aufgabe und nicht ablenken lassen.“ Sich ablenken zu lassen, geht sehr schnell, wenn jemand vor deinen Augen in 300 Metern Höhe free solo klettert.

Lass uns über die Logistik bei den Dreharbeiten zum Free-Solo-Aufstieg des El Cap sprechen. Wie viele Kameras waren im Einsatz? Wo warst du, während Alex geklettert ist?

Es gab vier Kameraleute an der Felswand, einer davon war ich. Die meisten von uns waren hoch oben. Wir hatten zwei ferngesteuerte Kameras über der Crux. Alex wollte niemanden dort haben, denn wenn er fallen würde, wäre dies ein sehr wahrscheinlicher Ort dafür; und er wollte auf keinen Fall vor den Augen eines Freundes in die Tiefe stürzen. Wir hatten eine Kamera mit Fernobjektiv auf dem Boden am Fuße des El Capitan positioniert und eine oben auf dem Berg für den Moment, wenn Alex die Spitze erklimmt.


BIOGRAFIEN

ELIZABETH CHAI VASARHELYI

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Regisseurin, Produzentin

Die preisgekrönte Filmemacherin Elizabeth Chai Vasarhelyi ist Regisseurin und Produzentin der National Geographic Dokumentation FREE SOLO. Der Film, der in Zusammenarbeit mit Co-Regisseur Jimmy Chin entstanden ist, ist ein intimes, unerschrockenes Porträt des Kletterers Alex Honnold, das diesen bei der Vorbereitung und schließlich der Erfüllung seines Lebenstraums begleitet: den berühmtesten Fels der Welt zu erklimmen… ohne Seil.

Vasarhelyi führte auch Regie bei den Filmen „Meru“ (Oscar® Shortlist 2016; Sundance Audience Award 2015), „Incorruptible“ (Truer Than Fiction Independent Spirit Award 2016), „Youssou N ́Dour: I Bring What I Love“ (Oscilloscope, 2009), der auf den Telluride und Toronto Film Festivals Premiere feierte, „A Normal Life“ (Tribeca Film Festival, Best Documentary 2003) und „Touba“ (SXSW, Special Jury Prize Best Cinematography 2013). Vasarhelyi führte außerdem bei einer New York Times Op-Doc, einer Episode der Netflix Dokumentationsreihe „Abstract“ sowie bei zwei Episoden der neuen Doku-Reihe „Enhanced“ des Sportsenders ESPN Regie. Sie erhielt Förderungen vom Sundance Institute, der Ford Foundation, des Rockefeller Brothers Fund, Bertha Britdoc, der William and Mary Greve Foundation und vom National Endowments of the Arts. Sie ist Mitglied der Directors Guild of America sowie der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Sie hat einen B.A. in Vergleichender Literaturwissenschaft von der Princeton University und lebt in New York City.


JIMMY CHIN

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Regisseur, Produzent, Kameramann

Jimmy Chin ist professioneller Kletterer, Skifahrer, Bergsteiger, seit 18 Jahren Mitglied im The North Face Athlete Team und National Geographic Explorer. Als Regisseur, Produzent und Kameramann der National Geographic DokumentationFREE SOLO, die in Zusammenarbeit mit Elizabeth Chai Vasarhelyi entstanden ist, fängt Chin den nervenzerreißenden Free-Solo-Aufstieg des El Capitan im Yosemite Nationalpark Kalifornien des Kletterers Alex Honnold ein. Seit zwanzig Jahren nimmt Chin an

innovativen Kletter- oder Skitouren auf allen sieben Kontinenten teil, oder leitet diese, und ist als erster und einziger Amerikaner den Mount Everest mit Ski heruntergefahren. Er ist auch Filmemacher und National Geographic Fotograf. Er hat mit vielen der größten Forscher, Abenteurer und Athleten unserer Zeit zusammengearbeitet und ihre Heldentaten unter den herausforderndsten Umständen und Orten dieser Welt dokumentiert. Er wurde bereits mit zahlreichen Preisen für Shootings, die er z.B. für das New York Times Magazine, Vanity Fair und das Outside Magazine durchgeführt hat, ausgezeichnet und hat Werbespots für Kunden wie Apple, Chase, Pirelli oder The North Face produziert. Seine Dokumentation „Meru“ von 2015, die er ebenfalls mit Vasarhelyi realisierte, wurde beim Sundance Film Festival mit dem Audience Award ausgezeichnet und war als Beste Dokumentation der Directors Guild of America und der Producers Guild of America nominiert. „Meru“ stand außerdem 2015 auf der Shortlist für den Oscar® in der Kategorie Bester Dokumentarfilm.


ALEX HONNOLD

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Professioneller Kletterer, Protagonist FREE SOLO

Alex Honnold ist ein professioneller Felskletterer. Seine gewagten Free-Solo-Aufstiege an den größten Felsen Amerikas machen ihn zu einem der berühmtesten und anerkanntesten Kletterern der Welt. Als talentierter aber auch hart arbeitender Athlet ist Alex „No Big Deal“ Honnold sowohl für seine bodenständige, zurückhaltende Art, als auch für die schwindelerregend hohen Klippen, die er ohne absicherndes Seil erklettert, bekannt. Über Honnold wurde bereits von 60 Minutes und der New York Times

berichtet, er war auf dem Cover des National Geographic Magazins, hatte Auftritte in internationalen TV-Spots und spielte in einigen Abenteuerfilmen mit, wie zum Beispiel dem Emmy-nominierten Film „Alone on the Wall“. Jetzt ist er der Protagonist des Dokumentationsfilms FREE SOLO, der von National Geographic Documentary Films produziert wurde und von capelight pictures in die deutschen Kinos gebracht wird. Honnold wird von The North Face, Black Diamond, La Sportiva, Goal Zero, Stride Health und Maxim Ropes gesponsert. Er ist der Gründer der Honnold Foundation, einer Nonprofit-Umweltorganisation. Bis heute lebt er sein einfaches „Dirtbag- Climber“-Leben, wohnt in seinem Van und bereist die Welt auf der Suche nach dem nächsten großen Vertikal-Abenteuer.

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