Erfolgreiches Wettkampf-Wochenende der DAV Athlet:Innen in Brixen


die erfolgreichen dav Athleten
@Lena Drapella/IFSC

Es war ein unglaubliches Wochenende für alle Boulderenthusiast*innen: Vom 10. bis 12. Juni ging der Deutsche Kader beim Weltcup in Brixen an die Bouldergriffe – mit Wahnsinns-Erfolg: Yannick Flohé lieferte ganze Arbeit: Er beendete den Wettkampf souverän auf Platz eins und feierte damit seinen ersten Boulderweltcup-Sieg überhaupt. Er ist damit erst der dritte Deutsche, der einen Boulderweltcup für sich entscheiden konnte. Bei den Damen sicherte sich Hannah Maul einem Final-Krimi die Silbermedaille und damit den ersten Damen-Podiumsplatz im Bouldern seit sieben Jahren.

Quelle: DAV

Boulderweltcup Brixen: Yannick Flohé holt Gold, Hannah Meul Silber

Bereits in der letzten Saison war Yannick Flohé (DAV Aachen) in aller Munde. Der junge Top-Athlet hatte nicht nur das nationale Double im Bouldern und Lead inne, sondern überzeugte auch international. Bei den Combined Weltmeisterschaften in Moskau ging er als Erstplatzierter heraus und auch in den Weltcups kletterte er regelmäßig in den Halbfinals mit. Auch in diesem Jahr knüpft er an seine Erfolge an. Zwei Mal ist er bereits in den Finals der Weltcup-Serie geklettert und auch im Continental Cup holte er doppelt Top-Ten-Ergebnisse.

yannik floheJetzt ist ihm allerdings ein Meisterstück gelungen. In Brixen standen alle Vorzeichen gut: Sowohl in der Quali, als auch im Halbfinale ging er als Führender in die nächste Runde. Das reichte dem Boulder-Genie allerdings nicht. Im Finale setzte er sich bereits in Boulder Nummer zwei auf Platz zwei fest, die Spitze fest im Blick. Nach Boulder drei schnürte er den Sack ein wenig mehr zu. Das unangenehme und extrem knifflige Problem, das außerordentliche Stützkraft und eisernen Willen erforderte, konnte er als einziger toppen. Jetzt lag es an seinen Konkurrenten nachzuziehen. Um Flohé noch von Platz ein zu stoßen, wäre für die anderen Teilnehmer ein Top nötig gewesen – dieses blieb aber aus. Im letzten Boulder konnte sich Flohé deshalb zurücklehnen. Sein Gold konnte ihm keiner mehr nehmen. Trotzdem zeigte der Essener nochmal, dass er es kann und kam bis zur Zone – genauso weit wie alle anderen, denn der Boulder sah kein Top. Mit dieser herausragenden Leistung feiert das Allround Talent vom DAV Aachen nicht nur seine persönliche erste Weltcup Goldmedaille, sondern das erste Bouldergold für Deutschland seit 2017. Ein absoluter Meilenstein, gerade wenn man bedenkt, dass dies vor ihm nur zwei anderen Boulderern gelang.

“Ich glaube, seit ich klettere habe ich auf diesen Moment hingearbeitet, aber ich hätte nie gedacht, dass ich es irgendwann auf Platz eins des Worldcup-Podiums schaffen würde. Auch letztes Jahr war für mich recht gut, aber mein Kopf hat nicht so mitgearbeitet, dieses Jahr lief aber bisher sehr gut und ich bin super glücklich, dass es heute geklappt hat.”

Meul klettert in ihr erstes Weltcupfinale überhaupt

Dass sie das Zeug hat, um ganz vorne mitzuspielen, hat Hannah Meul (DAV Sektion Rheinland-Köln) in deser Saison schon zuvor mit ihren starken Leistungen in den vergangenen Weltcup Stops gezeigt. In Salt Lake City kletterte sie im Halbfinale auf Platz 13 und in Meiringen verpasste sie das Finale als Siebte nur knapp. In Brixen war es dann endlich soweit: Breits in der Quali konnte die junge Spitzenathletin überzeugen. Sie zog als Vierte ins Halbfinale ein und legte hier nochmal eine Schippe drauf. Mit zwei starken Flashs, einem Top und einer Zone sicherte sie sich ein Ticket für das begehrte Finale – direkt hinter Kraftpaket Natalia Grossman (USA) und Wettkampflegende Miho Nonaka (JPN). Ein besonderer Grund zur Freude, schließlich sollte es die erste Weltcup Endrunde für Meul überhaupt werden.

Die erste Weltcup Damen-Medaille seit sieben Jahren

Johanna Meul
@Lena Drapella/IFSC

Die Finals hätten dann wohl nicht nervenaufreibender sein können. Bei so starker Konkurrenz muss jeder Zug sitzen und genau das berherzigte Meul: In Boulder Nummer eins löste sie die unglaublich kraftraubende Hangelpassage mühelos mit einem spektakulären “Figure-4”-Move, eine beim Klettern selten genutzte Bewegung, bei der ein Bein in den Hängenden Arm verhakt wird, um so für mehr Stabilität zu sorgen. Auch Boulder zwei, ein äußerst difiziles Pattenproblem, das alle anderen Teilnehmerinnen zunächst abschmiss, stellte für Hannah keine große Herausforderung dar. Mit einem weiteren Flash setzte sie sich frühzeitig vor ihren Konkurentinnen ab – eine hervorragende Ausgangsposition: Ihr Platz auf dem Podium war jetzt nur noch schwer zu entreißen. Durch Top Nummer 3 war Silber dann sicher, das letzte Boulder-Problem sollte allerdings nochmal ein unglaublich enges Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Meul und Grossman werden. Die Deutsche legte vor und erreichte den Zielgriff in zwei Versuchen – sollte es tatsächlich Gold werden? Der Druck, unter dem Grossman stand, war kaum vorzustellen: Sie benötigte das Top in maximal zwei Versuchen – eine Zitterpartie. Versuch Nummer eins endete für die Amerikanerin in einem Sturz an der Zone doch beim zweiten Mal erreichte sie den letzten Griff. Gold für Grossmann, Silber für Meul. Der Freude tat das für die junge Rheinländerin keinen Abbruch, schließlich hatte sie gerade die erste Weltcup Medaille bei dem Damen seit 2015 geholt – die letzte deutsche Athletin, die das schaffte, war zur ihrer Zeit noch Ex-Welt- und Europameisterin Juliane Wurm (DAV Sektion Wuppertal).

“Es war ein unglaublicher Tag. Ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie überwältigt, glücklich und voller Strahlkraft ich gerade bin. Ich habe es einfach nur genossen und einfach gefühlt. Ich habe den ganzen Tag gefühlt, was ich kann, dass ich genau da hin gehöre, wo ich hin will und habe meinen Traum dann Wirklichkeit werden lassen. Ich kann es gar nicht glauben und bin unglaublich froh, glücklich und überwältigt – ich glaube das ist das einzige, was ich gerade sagen kann” – so Hannah Meul nur 10 Minuten nach ihrer gesicherten Silbermedaille.

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