„It never rains in Southern Bavaria“:

Monatelange Dürre, trockener Föhnwind und 20 Grad noch im November. Der Klimawandel bringt für Kletterer ungeahnte Möglichkeiten für (alte) neue Touren mit sich. Wandpartien, welche jahrelang nur als „Wasserfall“ identifiziert werden konnten waren ab April dieses Jahres plötzlich trocken und es begann ein wochenlanges Herantasten, Hinfiebern und Projektieren. Bis in den vielleicht besten Bedingungen im Voralpenland seit Jahrzehnten eine tolle Kreation nach der anderen fiel. Darunter die 35m langen Ausdauer-Routen „Ace of Spades“ (8ab) und „Cremaster +“ (8c+), einer Verlängerung von „Cremaster“ (8bc) mit 20 athletischen Zügen, garniert mit harten Boulder-Einlagen entlang einer 60 Grad überhängenden Kante. Aber auch die kurzen Boulder-Kracher „Mörtl-Crew“ (8b) und „Concrete Jungle“ (8b+) fielen alle bis zum Sommer.

Der Herbst zeigte sich wetter- und klettertechnisch nahezu identisch zum Frühjahr und bescherte unserem Voralpenland eine weitere „Neutouren-Ernte“ mit einigen außergewöhnliche Juwelen wie „Let me fall out of the window with confetti in my hair“ (8c) und „Seitensprung“ (8c). Fast 25 Jahre vor den ersten ernsthaften Versuchen in diesem Jahr setzte ich Haken in diese Routen, welche aber bedingt durch Nässe und einer mit weiten Griffabständengespickten Felsstruktur jahrzehntelang in Vergessenheit gerieten. Über anspruchsvolle Wand-Kletterei, harten Boulderzügen an Kratzern und wackligen Passagen bis hin zu pumpigen Ausstiegspassagen ist da alles geboten. Die Krönung ist allerdings bei beiden Routen ein spektakulärer Double-Dyno in der Mitte der Wand, welcher kein „Nur-So-Dahin-Klettern“ zulässt. Nach einigem nervenaufreibenden Projektieren gelang Ende Oktober der Durchstieg beider Sprung-Routen mit verschiedenen Ausstiegen.

Weitere (Neu-)Touren der „Herbst-Ernte“ waren „Tango till you‘re sore“ (8b+),  „Confetti“ (8b), „Bufallo M. Soldier“ (8b), „Goldrausch“ (8b) und die zweite Begehung von „Kiss kiss, bang bang“ (8c+), der direkten Lösung des „Seitensprungs“, erstbegangen wenige Wochen zuvor von Pirmin Bertle. Doch damit nicht genug: In dieser Saison bohrte ich auch fehlende Haken in eine auf 30m Höhe 12m überhängende, graue Wandpartie in Kochel, welche eine neue Dimension im 9. Franzosen-Grad für das Voralpen-Land eröffnen könnte. Tagelanges Bouldern brachte mich einer Lösung vieler der Einzelzüge im „FSK-Projekt“ bereits näher. Einige Züge aber fehlen noch. Da wird es auch die nächsten trockenen Jahre nicht langweilig an einer Lösung zu basteln. Und wenn nicht für mich, dann für eine der nächsten Generationen.

Pics: ©Margit Memminger

 

Previous It's done, Alex Megos - PERFECTO MUNDO
Next Patagonia Micro Puff Hoody

No Comment

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.