8c mit 54 Jahren


Chris frick kletter stop sika
@ Isabelle Bihr

8c zu klettern mit 54 Jahren, bei Weitem keine Selbstverständlichkeit! Und trotzdem zeigt es einem, dass es nie zu spät ist, seine persönlichen Ziele zu verwirklichen – sofern die Voraussetzungen dazu gegeben sind.

Chris Frick klettert Stop Sika (version nouvelle) 8c

Text: Chris Frick
Pics: Isabelle Bihr

Was für eine Reise! Auch mit 54 Jahren ist noch immer Zeit für Rock’n’Roll! Es gibt keinen Grund aufzugeben. Warum auch nicht den Traum weiterleben? Stop Sika ist eine fantastische Route. Allerding klingt 8c für meine Generation immer noch wie eine Reise zum Mars! Als ich bereits 20 Jahre alt war, war das einst das höchse Niveau. Darum erscheint dieses beängstigend. Trotzdem wollte ich es versuchen! Ich habe mir gesagt, dass es doch besser ist, an einer Traumroute am Limit zu scheitern, als zu der zu späten Erkenntnis zu gelangen, es nie wirklich versucht zu haben.

Chris frick klettert stop sika
@Isabelle Bihr

Vor einem Jahr begann ich die Moves auszubouldern. Beide Schlüsselpassagen waren für mich erst einmal nicht machbar. Aber der Anfag war gemacht. Meine letzte 8c lag schon sechs Jahre zurück. Da war ich immerhin schon 48. Um wieder Erfahrung und Selbstvertrauen auf diesem Niveau zu gewinnen, versuchte ich auch andere 8c’s. Vor allem Mind Control in Oliana, welche die Schwester von Stop Sika sein könnte. Die wunderbare Vanda Michalkova stellte für mich ein Trainingsprogramm zusammen, welches meine Schwächen ins Visier nahm. Daraufhin verbrachte ich mehrere Monate das Leben eines Klettermönchs und den grössten Teil meiner Freizeit mit Training. Ich habe nie T-Level-Ergänzungsmittel genommen (diese sind ungesund, wenn nicht sogar gefährlich!), obwohl dies einige ältere Sportler empfehlen. Ich denke, dieses Thema sollte einmal breit diskutiert werden. Übrigens arbeite ich vier Tage die Woche und bin nicht gesponsert.

Wie dem auch sei, ich kam stärker zur Route zurück. Geht doch im Alter! Aber zuerst war Geduld angesagt. Die Hitze dieses Sommers war extrem, obwohl Rawyl in einer alpinen Umgebung liegt. Deshalb ging ich zuerst auf einen dreiwöchigen Kletter-Roadtrip, um die antrainierten Fähigkeiten auf den Fels zu übertragen. Endlich sanken im September die Temperaturen. Der ganz Plan ging auf und ich verbesserte mich an jedem Wochenende, wurde allerdings von den Anstrengungen auch immer müder. Ich wusste, dass es knapp werden würde. Doch am Freitag, 16. September, konnte ich nach einem perfekten Go den Stand klippen! Ich behielt den Fokus, weder zögernd noch zweifelnd. Am nächsten Tag fiel früher Schnee bis an den Wandfuss … Ich habe unglaubliche Unterstützung erfahren, sowohl mit Ermunterungen als auch Sichern! Ohne diese wäre ich nirgendwo. Danke an alle!

Stop Sika wurde 2002 von Betrand Martenet gebohrt und 2003 von Didier Berthod als 8c erstbegangen. Die komplett natürliche Linie – daher der Name – wurde auf Anhieb zum Klassiker und man sprach von 8b+. 2019 sanierte Bertrand die Route und fand im mittleren Teil eine direktere und härtere Linie, welche die originale Rechts-Links-Schleife aufhebt. Noch im selben Jahr kletterte Samuel Ometz die neue Version. Der Konsens liegt nun wieder bei 8c.

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