Andi Matuska – Rückblick ins Kletterjahr 2020

Text: Andi Matuska
Quelle: https://climbing.plus

Medveja (Kroatien)

Begonnen hat meine Seilklettersaison 2020 ungewöhnlich früh. Üblicherweise nütze ich den Winter zum Bouldern Zuhause. Für’s Sportklettern ist es mir meist zu kalt und in den sonnigen Süden bin ich in den letzten Jahren nur selten gefahren. Dieses Frühjahr aber „überredete“ mich meine Freundin, im Jänner nach Medveja (Kroatien) zu reisen. Dort erwarteten uns bereits einige unserer Freunde.

Dass ich nicht schon früher einmal in diesem tollen Klettergebiet war, konnte ich kaum glauben. Nach einer Woche Kletterpause über Weihnachten und Silvester waren meine Erwartungen auch nicht allzu hoch denn ich hatte mich vor diesem Klettertrip sicher 3 Monate lang nicht mehr ins Seil gebunden. Entsprechend motiviert war ich die ersten vier Tage, die wir bei perfekten Bedingungen verbringen konnten.

Ein ‚verhauter‘ Flash in der Route ‚Happy Birthday‚ (8b) vor dem Rettungshenkel war gleich ein feiner Start in diesen Kurztrip. Die Route konnte ich im 2.Versuch klettern. Mein ‚Hauptziel‘ jedoch, die Route ‚The Core‚ (8c/c+), musste 5.Versuche warten bis ich den Umlenker sturzfrei erreichte. Georg Parma gelang ‚the core‘ ebenso schnell wie mir.

Da noch eine weitere, richtig gute, Linie durch die Hauptwand des Gebietes führt, waren wir zwei Wochen später schon wieder vor Ort, um ‚More‚ (9a) zu versuchen. Zwei schwere Boulderpassagen mit wirklich kleinen Griffen und athletischen Moves führten in Bombenfels zum Umlenker. Die ersten drei Tage reichten nicht aus um alle Züge aneinanderzuhängen. Voll motiviert kehrte ich im März wieder zurück und konnte die Route nach insgesamt 7 Tagen durchsteigen. 

@Stefan Köchl

Kärnten

Im Frühjahr und Sommer kletterte ich in Österreich. Viel Zeit verbrachte ich in einem Projekt in Kärnten und ich konnte dort im Mai ‚Dr.Kassierer‚ (8c+?) erstbegehen.

Ötztal

Neben dem Boulder- und Routenbau für die Austrian Climbing Summer Series in Innsbruck fand ich Abwechslung im Granit des Ötztales und ich konnte mir im Sommer Wiederholungen der Toprouten ‚Ganesha‚ (8c) im 5.Versuch und ‚Synergieeffekt‚ (8c+) holen.

@Stefan Tscherner

Der heilige Gral 9a (Frankenjura)

Ein Ziel hatte ich aber für 2020 noch im Hinterkopf. Die Route ‚Der heilige Gral‚ (9a) im Frankenjure stand seit Langem auf meiner Wunschliste. Bereits im vergangenen Oktober unverhofft im Ausstieg gescheitert, nahm ich mir im September Zeit, um die Route konzentriert zu probieren.  Da es aufgrund der Nässeanfälligkeit der Tour schwierig ist, ein gutes Zeitfenster zu erwischen, wurde es im September ziemlich spannend. 

Anfänglich perfekt trocken, machte mir Fieber nach einem Tag probieren einen Strich durch die Rechnung. 
Danach setzten für drei Tage massive Regenfälle ein und ich hatte bereits alle Hoffnung beiseite gelegt, dass ‚Der heilige Gral‘ nochmal in den 10 Tagen, die ich Zeit hatte, noch einmal auftrocknen würde.  Glücklicherweise blieben andere Routen trocken und  mir gelang eine Wiederholung von ‚Odd Fellows‚ (8c) im 3. Versuch. 
Trotz des vielen Regens starb meine Hoffnung zuletzt und ich wollte mich nach drei Tagen Regenpause eigentlich nur versichern, dass die Route nass sei. 
 
Beim imposanten Felsbogen angekommen, traute ich meinen Augen kaum. Alle Passagen trocken. Der Durchstiegsdruck war sofort wieder da und mir blieben nur noch drei Tage Zeit, um die Route zu durchsteigen. 
An Tag Eins endeten meine beiden Versuche an einem weiten Zug im oberen Viertel der Route. 
Aufgrund meiner Nervosität waren sie schlechter als im Vorjahr. 

An Tag Zwei, also am vorletzten Tag des Trips waren wieder zwei Griffe nass. Taschentücher und Chalk konnten leider nicht genug ausrichten und meine Versuche endeten vorzeitig in der Mitte der Route. Als Ersatzprogramm nahm ich mir die Durchstiegscrux, an der ich am Vortag gescheitert war, zur Brust, um sie noch besser auszuchecken. Ein ‚übersehener‘ Toehook machte die ganze Sequenz leichter und weniger riskant. Das Gefühl dass ich, wenn die Griffe trocken sind, eine gute Chance haben könnte die Route zu klettern, stellte sich in meinem Kopf ein. 

Letzter Tag. 

Nach kurzem Aktivieren am Griffbrett der finale Einstieg. Die Atmung war ruhig. Meine Bewegungen entschlossen. Der Durchstieg gelang mir im ersten Versuch an diesem Tag.
 
Leonidio (Griechenland)

Da der Regen im Herbst in Österreich kräftig ausfiel, verbrachte ich mit meiner Freundin Ende Oktober drei Wochen in Leonidio. Wir hatten eine sehr gute Zeit mit Freunden. Der Fels mit den vielen Sintern ist dort vom Allerfeinsten. Meine persönlichen Highlights waren on-sight Begehungen von ‚Stock‚ (8b), ‚Kopa cabana‚ (8b) und ein flash von ‚the glue‚ (8b). Weiters onsightete ich bei diesem Aufenthalt in Leonidio fünf 8a+ und vier 8a Routen.


FACT Box:

Name: Andreas Matuska
Jahrgang: 1988
Geburtsort: Rottenmann
Klettert seit: 2003
Schwerste Tour: ‚More‘ 9a Medveja
Schwerster Boulder: ‚Air‘ 8b Maltatal
Last words (hoffentlich net die letzten :)):Keep it real!

Sponsoren: u.a. E9

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