Angy Eiter befreit ihr Projekt MADAME CHING

Wer kennt sie nicht? Österreichs Ausnahmeathletin Angy Eiter, die über viele Jahre das Wettkampfklettern dominierte und ihre Karriere mit unzähligen Titeln geschmückt hat. Das die sympathische Tirolerin auch am Fels ungemein stark ist, weiß man nicht erst seit ihrer Begehung von “La Planta de Shiva” (9b)

Aber lest selbst was Angy uns über MADAME CHING zu sagen hat.

Ursprünglich wurde diese Linie von meinem Mann Bernie Ruech im Frühling 2018 eingebohrt. Die Route startet im rechten Wandteil und traversiert links über einen steilen Bereich bevor sie wieder nach oben ins steile Dach entlang geht und nach insgesamt 100 Zügen endet.

@Raphael Pöham / Red Bull Content Pool

Meine ersten Versuche in dieser Route waren alles andere als erfolgreich. Ich scheiterte fast bei jedem Zug, was mich mental verunsicherte. Dann wollte ich aufgeben, aber mein tiefes Inneres verlangte nach einem Comeback. Ich war fasziniert von dieser unberührten Linie, an der noch niemand seine Spuren hinterlassen hat und die Suche nach den Griffen und das Spiel mit den Bewegungen begeisterten mich. Schließlich machte ich Fortschritte. Ich konnte einige Passagen meistern und brauchte wenigere Ruhephasen im Seil hängend.

Von da an realisierte ich, dass diese Route mehr als eine pathetische Sehnsucht war. Ich strukturierte mein Training. Den Schwerpunkt setzte ich auf Fingerkraft, welche bei diesem Projekt entscheidend war. Um diese zu entwickeln, machte ich kurze schwere Boulder. Nach jahrelangen Trainingserfahrungen weiß ich, dass zweimal pro Woche mit je zwei Versuche pro Einheit genügen. Manchmal pausierte ich sogar komplett um Verletzungen vorzubeugen. Ich ging an diese Linie heran, indem ich bestehende Routen mit meiner Linie kombinierte. Insgesamt gab es fünf dieser Varianten. Nachdem ich jede erfolgreich kletterte, fühlte ich mich bereit für Versuche in meinem Projekt. Die Schlüsselsequenz war ein harter Einzelzug. Die Strukturen waren schlecht und die Körperposition komplex. Ich nahm eine schlechte Leiste mit der linken Hand und einen vergleichsweise besseren Griff mit rechts. Dann schnappte ich mit meiner linken Hand nach einer offenen schlechten Leiste. Nun befand ich mich in einer ausgestreckten Position. Körperspannung war gefragt. Ich setzte meinen rechten Fuß hoch an, nahm eine erbsengroße Leiste zur Hilfe, setzte meinen rechten Fuß nochmals höher und schnappte nach einem Loch mit der rechten Hand.

@Bernhard Hörtnagl / ASP / Red Bull Content Pool

Am Tag des Durchstiegs war es heiß und die Route im unteren Teil nass. Unsinnig an einen erfolgreichen Durchstieg zu glauben. Die Hoffnung blieb. Ich trocknete die Griffe mit Taschentücher. Plötzlich näherte sich ein Gewitter. Ein starker kühler Wind wehte und trocknete die Wand. Die Temperaturen sanken auf optimales Niveau. Schnell entschied ich einen Versuch zu wagen. Die noch feuchten Griffen im unteren Teil hinderten mich nicht, ich blieb kühn und improvisierte meine Bewegungen. Ich meisterte alle schweren Züge, das aufkommende Gewitter mit Donnergebrüll brachte mich nicht aus der Ruhe. Noch bevor es zu regnen begann, konnte ich die Route punkten. Ich war mega glücklich!

Vergleiche ich meine kleine Sammlung von schweren Route mit dieser Linie kommt sie mir ähnlich schwer vor, wie meine bislang schwerste Route „La Planta de Shiva“. Allerdings kann ich nur auf meine eigene Einschätzung zurückgreifen und weiß nicht, ob es leichtere Lösungen gibt bzw. größere Kletter sogar schwere Stellen umgehen können. Wie dem auch sei, Erstbegehungen sind etwas besonderes für jeden Kletterer. Insofern bin ich mega glücklich über diese neue Erstbegehung, der ich den Namen „Madame Ching“ gebe.

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