Deutsche Meisterschaft Speed: Franziska Ritter mit neuen Deutschen Rekord!


©DAV/Thomas Schermer

Am 22. Juni 2019 trafen sich die schnellsten Kletterinnen und Kletterer zur Deutschen Meisterschaft Speed. Die DM fand im Rahmen der Ruhr Games in Duisburg statt. Am Vormittag wurde sich bereits warm gelaufen: Die Youngsters kämpften um den Tagessieg beim 5. Deutschen Jugendcup. Später durften auch die Seniorinnen und Senioren an die Speed-Griffe. Eine noch sehr junge Starterin war dort besonders erfolgreich.

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Die Speed DM erreicht eine neue Dimension

„Das Speedklettern in Deutschland fristet ein Schattendasein“, so die allgemeine Annahme in Wettkampfkreisen. Nach dieser Deutschen Speed-Meisterschaft gilt der Spruch wohl nicht mehr: Nicht nur, dass mit 45 Damen und Herren das Starterfeld noch nie so groß war, auch das ganze Event rückte durch die Einbindung in die Ruhr Games in ein ganz besonderes Licht. Rund 1200 Zuschauerinnen und Zuschauer feuerten die Athletinnen und Athleten begeistert an. „Die Speed DM erreicht dieses Jahr eine neue Dimension“, freute sich DAV-Delegate Ricardo Schumann. Seitdem feststeht, dass Speedklettern in einer Kombination mit Bouldern und Lead bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio eingebunden ist, wird die Speed-Disziplin in Deutschland immer beliebter. 

Die 15 Meter hohe Speedwand basiert auf einer neuentwickelten superschlanken Wandkonstruktion der Firma ArtRock, welche für die DM-Speed 2019 als Wandpartner fungiert. An der Wand gibt es zwei Bahnen (A und B), auf die zwei identische, weltweit standardisierte Routen geschraubt wurden. Beim Speed-Wettkampf wird im KO-System geklettert: Es treten immer zwei Athleten oder Athletinnen gegeneinander an, der Sieger eines jeden Duells darf eine Runde weiter. Die einzige Ausnahme: Während der Qualifikation darf jeder Teilnehmer einen Versuch auf beiden Bahnen unternehmen. Die schnellste Zeit wird gewertet. In die Finalrunden ziehen die schnellsten 16 Starter und Starterinnen ein.

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Damen: Franziska Ritter mit neuem Deutschen Rekord von 9,162

Die Menge tobte, als Franziska Ritter (DAV Barmen) am Anschlagbrett bei 9,162 Sekunden anschlug. Die einen oder anderen werden zwei Mal hingeschaut haben, denn tatsächlich war Franziska bereits im Halbfinale einen neuen Deutschen Rekord gelaufen (9,490) und konnte ein paar Minuten später ihre Zeit nochmals verbessern. Ein starker Auftritt von der erst 16-Jährigen, die somit ihre eigene Bestzeit um eine halbe Sekunde nach unten korrigierte. Nachdem Alma Bestvater (DAV Weimar) aus gesundheitlichen Gründen nicht am Wettkampf teilnehmen konnte, ging sie als klare Favoritin an den Start. Sandra Hopfensitz (DAV Augsburg) machte bereits im Deutschen Jugendcup am Vormittag eine gute Figur und zeigte, dass auch bei den „Großen“ mit ihr zu rechnen ist. Sie musste sich nur Franziska geschlagen geben, freute sich aber umso mehr über ihren zweiten Platz, da sie als erst dritte deutsche Frau die 10-Sekunden-Marke knacken konnte. Beim Rennen um Platz drei ging es mehr als knapp zu: Hier holte sich Julia Koch (DAV Wuppertal) die Bronze-Medaille. In einem engen Duell gewann sie mit 12,333 gegen Anna Lechner (DAV München-Oberland), die mit 12,388 Sekunden nur einen Wimpernschlag langsamer war.

Herren: Duell der Generationen – Jan Hojer setzt sich durch

Besonders spannend für Publikum und Athleten sollten die Duelle zwischen Olympia-Fokusteam und den „jungen Wilden“ werden: Aus dem fünfköpfigen Fokusteam des DAV gingen Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main) und Yannick Flohé (DAV Aachen) an die Speed-Griffe. Ihre schärfsten Konkurrenten waren im Feld der Newcomer zu suchen: Sebastian Lucke (DAV Konstanz) und Ludwig Breu (DAV Landshut). Hojer, der derzeit mit 6,76 Sekunden den Deutschen Rekord hält, konnte seiner Favoritenrolle gerecht werden. Ob die langjährige Wettkampferfahrung oder sein intensiveres Speedtraining ausschlaggebend für den Sieg waren? 

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Seine Konkurrenten machten es ihm alles andere als einfach. Yannick Flohé, der zudem im Talentteam Ruhr für die Sportart Speedklettern gesetzt ist, zeigte bereits in der Qualifikation mit einer Zeit von 7,129 Sekunden, dass er seinen Heimvorteil nutzen möchte. Am Ende holte er sich nach einem spannenden Race um Platz drei die Bronzemedaille. Doch einen gab es noch, das Nachwuchstalent des Jahres: Sebastian Lucke (DAV Konstanz). Der junge Mann imponierte schon vormittags mit seinem fließenden Speedlaufstil. Im Halbfinale setzte er sich knapp gegen einen ebenfalls sehr schnellen Ludwig Breu, der sich Platz vier sicherte, durch. Nach insgesamt 12 Races an diesem Tag musste er sich im Finale – nach einem Stolperer – gegen Jan geschlagen geben. Trotzdem eine mehr als verdiente Silbermedaille für den Athleten aus Konstanz.

„Bei den Männern geht es an der Spitze sehr dicht zu. Allgemein hat das Speedklettern vor allem in der Jugend Schwung aufgenommen und die Leistungsdichte ist wesentlich größer geworden. Da ist viel Potential nach oben, um künftig – auch international – noch schnellere Zeiten zu erzielen“, sagte DAV-Sportdirektor Martin Veith.

Ruhr Games: Der perfekte Austragungsort für die DM Speed

Die Ruhr Games sind Europas größtes Sport-Festival für Jugendliche. In diesem Jahr starteten sie in ihre dritte Auflage. Im Landschafspark Duisburg-Nord fanden vom 20. bis 23. Juni vier Tage lang geballte Sport- und Kulturhighlights statt. An den Wettkämpfen nahmen zahlreiche Olympiahoffnungen, amtierende deutsche Meister und Europameister aus 17 Sportarten teil.

Die Veranstaltung setzte das Speedklettern besonders und einmalig in Szene und schaffte so die Plattform für die Stars von morgen. Sei es die einzigartige Location, das pulsierende Publikum oder der mitreißende Moderator André Scheidt: Die Deutsche Meisterschaft Speed war in allen Belangen ein voller Erfolg! Noch nie fand ein Speed-Wettkampf so enormen Zuspruch bei Athletinnen und Athleten, Organisatioren und Presse.

Danke an das Team der Ruhr Games für dieses tolle Event!

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