Jan Hojer qualifiziert sich für Olympia!

In einem packenden Wettkampf konnte sich Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main) für die Olympischen Spiele qualifzieren. Im Gespräch mit Bundestrainer Maxi Klaus verrät der Top-Athlet, wie er den Wettkampf erlebt hat. Gemeinsam mit Alexander Megos (DAV Erlangen) wird Hojer im August 2020 in Tokio bei den Olympischen Spielen antreten.

Herren-Quali: Lead

DAV/Marco Kost

Beim letzten von drei Wettbewerben geht es für die zukünftigen Olympioniken um alles: Die besten Acht der Qualifikation ziehen ins Finale ein – und dort erhalten wiederum die besten Sechs ihr Ticket nach Tokio.

Eine Sondersituation ergibt sich beim Finaleinzug eines oder mehrerer Japaner: Das japanische Team hat bereits das Kontingent ausgeschöpft. Wenn also zwei oder mehr Japaner ins Finale klettern, werden ihre Plätze nicht gezählt, da jedes Land pro Geschlecht nur zwei Sportler entsenden darf. Zwei Japaner im Finale würde bedeuten, dass alle Finalisten (außer den Japanern) das Ticket nach Tokio lösen. Dann stehen die nächsten sechs Olympioniken bereits vor dem Herren-Finale am Samstag fest. Drei Japaner im Finale bedeuten sogar, dass auch ein Nicht-Finalist, in dem Fall der Athlet auf Platz 9, ein Tokio-Ticket erhält.

Die Japaner wiederum haben als ausrichtendes Land einen Platz pro Geschlecht sicher, die sogenannte Host-Quote. Der zweite Platz muss sportlich erkämpft werden – was Tomoa Narasaki bei der WM in Tokio bereits gelungen ist. Unter allen übrigen Japanern, die sich in Toulouse und der WM in Japan qualifizieren, wird der verbleibende Quotenplatz vergeben.

Nach dieser langen theoretischen Einführung beginnen wir nun mit dem Lead-Wettkampf. Gleich beim zweiten Starter, Jernej Kruder (SLO), gibt es einen beinahe Unfall: Der Slowene reißt ein Dreiecks-Volumen aus der Wand, das ihm fast auf den Kopf fällt. Nach einer Pause kann er unverletzt erneut starten.

Yannick Flohé kommt als 8. aus der Isolation. Der Essener hätte durch seine Ergebnisse den Lead-Wettbewerb gewinnen müssen, um noch eine Chance auf den Finaleinzug zu haben. Das weiß er und klettert schnell und präzise durch die pumpige Route bis in den Top-Bereich. Leider verfehlt sein Dynamo bei Zug 46 den Griff.

DAV/Marco Kost

Damit hat nur noch Jan Hojer die Chance, sein Ticket bei diesem Event zu lösen. Die Route scheint ihm zu liegen, er klettert extrem schnell und kontrolliert durch die Route bis in den Top-Part – und fällt. Zug 44+ bringt ihm vorläufig Rang 6 im Lead ein. Damit liegt er im Gesamtranking auf Platz 3 – und nur noch drei Kletterer hinter ihm.

Am Ende landet Jan Hojer im Gesamtergebnis auf Platz vier – und ist kommenden Samstag im Finale dabei! Doch es gibt noch eine weitere grandiose Nachricht: Da unter den besten Acht auch zwei Japaner sind, die aus dem Kontingent herausgerechnet werden, hat sich Jan Hojer vorzeitig für Olympia qualifiziert!

Herren-Quali: Bouldern

Weiter geht es mit dem Bouldern! Jan Hojer, nach Speed auf Platz drei, hat sich eine bequeme Ausgangsposition geschaffen. Mit seinem 15. Platz im Speed muss er jetzt dringend angreifen. Das kann gelingen: Bei der Kletter WM im Sommer diesen Jahres holte er sich im Bouldern die Bronze-Medaille.

Die Herren finden eine wenig steile Boulder-Wand vor. M1 und M4 sind Plattenboulder, in der Mitte liegen in einer Art Grotte oder Verschneidung M2 und M3. Doch auch diese beiden Boulder sehen weniger steil aus, als man es von den Weltcups gewohnt ist.

Bisher ist es nicht der Tag von Yannick Flohé: Mit einem Top und einer Zone kommt er nicht über Rang 20 hinaus. Besser läuft es nach vier Bouldern für Jan Hojer: Mit zwei Tops und zwei Zonen beendet er den zweiten Wettkampf auf Platz 13.

Für das Gesamtranking nach zwei von drei Wettkämpfen bedeutet das: Hojer auf Platz 7; Flohé auf Rang 18.

Bereits bei der WM in Hachioji konnte Alex Megos (DAV Erlangen) sein Ticket lösen. In Toulouse haben Yannick Flohé (DAV Aachen) und Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main) die Chance, sich für Tokio zu empfehlen. Dazu müssen sie zunächst die Quali-Runde am Donnerstag, den 28. November, überstehen und ins Finale der besten acht Athleten einziehen. Kommen sie im Finale am Samstag, den 30. November, unter die besten Sechs, sind sie qualifiziert. Sollten sich beide qualifizieren gilt: der besser Platzierte bekommt das letzte Ticket der deutschen Herren.

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