Matteo Della Bordella – Reise nach Patagonien


Klettern in Patagonien

Matteo Della Bordella – Reise nach Patagonien

Matteo Della Bordella, ist seit Kurzem Teil des Vibram-Athletenteams und außerdem vom Mailänder Sporthändler Df-SportSpecialist, sowie von Karpos und Kong gesponsert. Matteo ist ein Alpinist und Kletterer der Gruppe Ragni di Lecco. Diese Gruppe ist eine der prestigeträchtigsten Verbindungen in der italienischen und internationalen Bergsteigerszene und ist vor kurzem eine Partnerschaft mit SCARPA eingegangen.

Matteo berichtet hier über seine Reise nach Patagonien, von wo er gerade zurückgekehrt ist, und darüber, wie er als Sportler in diesen für uns alle schwierigen Zeiten zurechtkommt. 

Patagonien

Matteo, Du kommst gerade aus Patagonien zurück. Was hattet ihr vor, wie ist es gelaufen? 

Ich fahre seit zehn Jahren jeden Winter nach Patagonien. Das Ziel dieses Jahres war es, mit Matteo Bernasconi und Matteo Pasquetto den „Diedro degli inglesi“ an der Cerro Torre-Ostwand im alpinen Stil anzugehen. Einige Teile unserer Tour, insbesondere die letzten 400 Meter, waren aber vollständig mit einer dicken Eis- und Schneeschicht bedeckt, so dass der Fels, den wir eigentlich klettern wollten, nicht einmal sichtbar war. Diese Bedingungen waren nicht sehr erfolgversprechend, und es bestand eine sehr hohe Gefahr, in Eislawinen zu geraten. Das Risiko wäre zu hoch gewesen, und wir haben aufgegeben.

Umkehren ist immer schwer. Habt ihr es bereut?

Auf keinen Fall! Unsere Entscheidung wurde dann durch den Abgang eines riesigen Séracs noch bestärkt, der eine Schneewolke verursachte, die sowohl den Cerro Torre  als auch den Torre Egger komplett eingehüllt hat. Wir bereuen es nicht, hätten wir weiter gemacht, wäre das mit Sicherheit nicht gut gegangen. Es war eine sehr gute Wahl. 

Und dann? Was seid ihr klettert?

Wir haben uns dann entschieden, unseren Plan B beim ersten Schönwetterfenster zu versuchen. In den 10 Jahren, in denen ich im Torre-Tal klettere, habe ich schon oft eine Linie an der Aguja Standhardt im Auge gehabt, die an der Nordwand verläuft, parallel und ein paar hundert Meter neben der “Festerville”, die ich bereits 2013 mit Berna und Luca Schiera gemacht hatte. Das Ergebnis war eine richtig gute Tour. Nach dem Cerro Torre und dem Torre Egger hat jetzt also auch die kleine Schwester, die Aguja Standhardt eine Route, die von den Ragni di Lecco eröffnet wurde! 

Patagonien

Im nächsten Wetterfenster kletterten wir an der Aguja Poincenot (ca. 3000 m), die Via del 40°, auch von den Ragni di Lecco. Sie wurde schon 1986 von Mario Panzeri, Paolo Vitali, Marco Della Santa und Daniele Bosisio eröffnet und (soweit wir wissen) nie wiederholt. Die Route ist um die 800 Meter lang und an der Nordwand des Poincenot und wurde damals an zwei Tagen im alpinen Stil mit einigen technisch gekletterten Passagen eröffnet. Vor unserer Rückkehr nach Hause gönnte uns Patagonien noch eine weitere Tour am El Mocho.

Was kannst Du im sportlichen Sinn mitnehmen? 

Ich bin zufrieden, auch wenn wir unseren Plan A aufgeben mussten. Wir sind viel geklettert, und die eröffneten Routen haben sich als sehr schön erwiesen.

Hast Du dich von unterwegs über die Lage in Italien in Sachen Corona auf dem Laufenden gehalten? 

Wenn man es von so weit weg erlebt, merkt man nicht wirklich, was vor sich geht. Im Februar hat sich die Situation noch nicht so ernst angefühlt, also haben wir es als Nachricht registriert. Die momentane Lage hätten wir uns niemals vorstellen können. 

Wie ist deine Rückreise verlaufen, gab es schon bestimmte Kontrollen? 

Wir sind zurückgekommen, als die Lombardei noch nicht zur roten Zone erklärt worden war, so dass ich einfach nur an Thermoscannern an den Flughäfen in Rom und Mailand vorbeigehen musste.

Wie sieht dein Sportlerleben jetzt aus? Wie trainierst Du? 

Was ich sehe, ist, dass viele Menschen versuchen, ein alternatives Training für daheim zu erfinden. Tatsache ist aber leider, dass ich für das, was ich tue, für den Alpinismus, zu Hause nicht gut trainieren kann. Also warte ich, ich bin warten von den ganzen Expeditionen gewohnt und zurzeit bin ich einfach gezwungen, still zu halten. Wenn sich noch ein Zeitfenster öffnet, kann ich mein Projekt immer noch abschließen. Die Botschaft, die ich – vielleicht ein wenig gegen den Strom – vermitteln möchte, ist, dass, da die meisten von uns keine Olympioniken sind, das Stehenbleiben für einige Zeit die Welt nicht auseinanderfallen lässt. Wenn sich alles erholt, können wir wieder angreifen und auf unsere Ziele hinarbeiten. In der Zwischenzeit trainiere ich viel am Board zu Hause und viel auf der mentalen Ebene, denke über Projekte nach und sammle Informationen, die für meine nächsten Ziele nützlich sind.

Was sind deine nächsten Ziele? 

Ich habe bereits eine Expedition für diesen Sommer geplant, aber wir müssen natürlich abwarten, wie es weitergeht. Ich hoffe, dass bis Juli alles in Ordnung sein wird, und auch wenn ich jetzt nicht trainieren kann, möchte ich versuchen, sie zu realisieren.

Welche Produkte von SCARPA nutzt Du am liebsten? Warum?

Auf der Ebene des Bergsteigens ist der Phantom Tech Hd mit Vibram-Sohle ein außergewöhnlicher Schuh, insbesondere für das Verhältnis von Volumen und Gewicht. Dank der Vibram-Sohle hat man einen krassen Grip, wirklich super im anspruchsvollen Gelände. Er ist absolut wasserdicht, er funktioniert auf verschiedenen Untergründen, sobald ich ihn einmal anprobiert hatte, war klar “Mit dem kommst Du überall hin”. Bei den Kletterschuhen nutze ich den Instinct, ebenfalls mit Vibram-Sohle, ein sehr beliebtes Modell, weil es super präzise und vielseitig einsetzbar ist. Hier kommt Vibram XS Edge zum Einsatz, das ist eine Gummimischung für besten Grip sowohl bei Wärme als auch bei kalten Temperaturen. Außerdem bekommt man mit ihm eine super Kantenstabilität hin. Ich habe ihn in Patagonien auch in alpinem Gelände eingesetzt, und viele Leute benutzen ihn für die schwierigsten Routen der Welt. Ich fühle mich mit ihnen wohl!

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