Österreich Premiere des Alex Megos Films ROTPUNKT – Nachbericht


Über die Österreich-Premiere des Films Rotpunkt

Voller als letzten Donnerstag ist das Bierstindl in Innsbruck selten. Das „Kulturgasthaus“ – so lautet die Eigendefinition – kam seinem Bildungsauftrag an diesem Abend mit Fug und Recht nach. 

Hier feierte der Film Rotpunkt. Alex Megos and The Art of Redpoint gestern Österreich-Premiere. Der Vortragssaal war so voll, dass die BesucherInnen am Boden Platz nehmen mussten. Beschwert hat sich keiner.

Verständlich, denn Rotpunkt ist nicht irgendein Film über das Klettern. Rotpunkt widmet sich nämlich jenem Begehungsstil, der das Klettern geprägt hat wie kein anderer und tut dies mittels einem seiner schillwerndsten Exponwenten: Alex Megos. Nach einem kurzen historischen Intro – ja, das muss sein – wirft der Film einen scharfen Blick auf die Realität des Kletterns ultraharter Routen. Und die ist kein Ponyhof, wie man anhand von Alex Megos’ Ringen mit den weltschwersten Routen sehen kann.

 Für die gestrige Premiere, bei der nicht nur Alex sondern auch Norbert Sandner    einer der besten Freunde und jahrelangeer Mitbewohner des Erfinders des roten Punkts, Kurt Albert  – anwesend waren, wurde der Film folgerichtig oder aus unbeabsichtigten Zufall mit einem anderen Untertitel lanciert: Dort hieß es dann: Rotpunkt. The Advent, Agony and Art of the Redpoint. Das schien in Hinblick auf den Inhalt schon treffender.

Vor allem der Aspket der Agonie ist beim Thema Rotpunkt wichtig. Wir lernen, auch ein Alex Megos, der von 9a onsight bis 9b+ rotpunkt alles zu pulverisieren pflegt, was sich seinen Fingern in den Weg stellt, scheitert. „99% des Rotpunkt- kletterns bestehen aus Scheitern“, sagte der Alex und lieferte damit die Wortmeldung des Abends. Ab auf die zerebrale Festplatte damit! Und, ja, diese   Erkenntnis in Wort und Bild nachvollziehen, das ist fast ein wenig wohltuend. Vor unserer persönlichen Grenze sind wir alle gleich. Andererseits ist Alex Megos Alex Megos und gerade wegen dieser Tautologie klettert er die schwersten Touren der Welt – im Film: Perfecto Mundo (9b+) in Margalef  – dann doch. Wohltuend ist insbesondere, ihm bei diesem Prozeß auf die Finger schauen zu dürfen. In meiner persönlichen Lieblingsszene des Filmes sieht man ihn allerdings nicht beim Dynamisieren von Griff zu Griff sondern beim twerken. Ich muss sagen, er hat auch da Talent, gegen Stefano Ghisolfis Arschwackelkünste zieht er aber eindeutig den Kürzeren.

Highlight war natürlich die Anwesenheit des fittesten Erlangers aller Zeiten. Denn der Alex hat neben überirdischen Kletterskills auch einen für irdische Verhältnisse großartigen Humor. Er sollte öfter ein Mikrofon in die Hand nehmen. Die Stimmung war ausgelassen, das Popcorn war gratis aber ungesalzen und gebechert wurde für einen guten Zweck: die Biererlöse gingen an die Naturfreunde. Ein guter Abend, bei dem eine Klitzekleinigkeit unausgesprochen blieb: Fast 100% aller Routen werden heutzutage nicht Rotpunkt bzw. redpoint (nach der Definition des Erfinders Kurt Albert) sondern Pinkpunkt bzw pinkpoint geklettert. Die Schlingen werden in 99,999% der Rotpunkt-Fälle nämlich nicht selbst eingehängt. Gestört hat das im Bierstindl aber niemanden.

Ab Mitte November kann man ROTPUNKT gratis streamen. 

Infos: www.patagonia.com 

Words: Flo Scheimpflug

Pics: @Florian Breitenberger

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