The Day the Music Died – John Allen, Master of Gritstone

Nachruf von Chrissy Dorn, im Juni 2020

Vor kurzem waren John Allen und Martin Veale zu Besuch in meiner Heimat, der Fränkischen Schweiz, um ein bisschen „bolted Limestone“ zu schnuppern. John und Martin, zwei meiner liebsten Kletterkumpel aus Sheffield, Nordengland, Heimat des berühmt-berüchtigten „Gritstone“ im nahe gelegenen Peak District.

Gritstone – ähnlich wie im Elbsandsteingebirge mit hoher Kletterethik versehen: Bolts sind nicht erlaubt. Dafür aber Chalk, ebenso wie Klemmkeile und Friends. Was einem bei vielen von John Allen’s Routen nicht viel half, denn sie waren schlichtweg Solo’s oder hatten nur wenig Absicherung.

©Nick-Taylor

John Allen, von uns allen liebevoll „The Boss“ genannt: Bereits im jungen Alter von 12 Jahren begann er, sich im Gritstone einen Namen zu machen, indem er einige der damaligen Klassiker, u.a. von seinem Heroe Joe Brown, wiederholte – als 12jähriger! Was folgte, gab ihm seinen Namen: eine damals als „impossible“ eingestufte Linie nach der anderen wurden zu John’s eigenen Erstbegehungen und Klassikern. Er hatte das einzigartige Talent, immer wieder diese scheinbar unkletterbaren Linien im Gritstone zu finden. Mit nur 14 Jahren hatte er bereits drei der damals härtesten Gristone Routen erstbegangen.

Das waren Zeiten… weit vor Ondra & Co…. damals gab es keine Kletterhallen ab Kindergartenalter. Vielmehr spricht man hier vom Schüler John Allen, der nach der Schule mal schnell schier Unmögliches im Gritstone kletterte – ohne Bohrhaken, wohlgemerkt! Ohne Toprope an doppelten Expressschlingen.

©John-Woodhouse

Genau das wurde John am 18. Mai 2020 zum Verhängnis: aus einem Toprope an einer eingebohrten Route im Kalksandsteingebiet Nähe Sheffield fiel er zu Tode –er war nicht richtig eingebunden. Eigentlich Routine, Routine für jemanden, der in seinem Leben unendlich viele Solo’s gemacht hatte, was viele seiner Erstbegehungen im Gritstone schlussendlich waren, falls sie überhaupt eine Absicherung hatten. 

Wer weitere Einzelheiten über die Gritstone-Legende John Allen erfahren möchte, der findet hier einen bewegenden Nachruf von Graham Hoey – Link zum Artikel:

„… John Allen stepped over the threshold of the possible and in a way this summarised John’s attitude to climbing which made him and other pioneers before and after him so visionary. He was completely unfazed by the apparent difficulty of a line, nor by any reputation it may have acquired from the efforts of earlier ‘greats’ or his older rivals. He revelled in the challenge they represented at the time. Even today with cams, sticky boots and ‘modern fitness’ these routes from 1975-1976 still present a considerable challenge and on-sight ascents are rare.”

Für mich persönlich waren die 7 Jahre meines Lebens Ende der 80er inmitten der berühmten Sheffield Climbing Gang (Jerry Moffatt, mein damaliger Lebenspartner, Ben Moon, Martin Atkinson, Ben Masterson, und eben Martin Veale und John Allen) vor allem eins: endloses Dauerlachen… beim Klettern, im Pub, auf den legendären Parties, stets mit „John the Party Animal“ im Mittelpunkt. John’s genialer Humor machten jeden Tag am Fels einzigartig. Und er gab jedem, mit dem er sich unterhielt, in dem Moment das Gefühl, ebenso einzigartig zu sein. 

Was ich über die vielen „unmöglichen“ Bewegungen im Gritstone immer glücklich Lachende jedem Fan von gebolteten Kalksandsteinrouten ans Herz legen möchte ist: schnappt Euch Eure Klemmkeile, Friends & Nuts und fahrt nach England. Traut Euch, einige von John’s Klassikern zu klettern – ob Soyuz (E2 5c) oder Edge Lane (E5 5c, Piazzkante, fast ein Solo), ob White Wand ( E5/6 6a) oder London Wall (E5 6b, legendärer Fingerriss)… 

©Nick-Taylor

 John Allen war ein Meister des Gritstone. Berühmt zu sein war ihm niemals wichtig. Dennoch – oder gerade deshalb – ein Grund für mich, John Allen mit diesem Nachruf als wahrhaftigen „Artist on Grit“ der Kletternachwelt in Erinnerung zu rufen. Denn: es ist bei weitem nicht immer nur der Schwierigkeitsgrad, der zählt. Den an gebolteten Routen immer weiter in die Höhen zu schrauben ist das eine, hochgradige Gritstone Linien zu klettern etwas völlig anderes – und ist schlussendlich einfach nur eins: Kunst!

RIP, dearest friend, we’ll meet again – on Grit, of course…

Thanks to UK Climbing (Graham Hoey) and Chrissy Dorn!

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