Die Antarktis – Bis ans andere Ende der Welt – Episode 1


@manrico-dellagnola

Die Antarktis – Bis ans andere Ende der Welt – Episode 1

DIE REISE BEGINNT

01. Januar 2021, 13.00 Uhr:

Wir verlassen den Hafen von Ushuaia. Das Meer ist ruhig und die warme Sonnenstrahlung versetzt uns in eine fröhliche Stimmung. Langsam und ohne Zwischenfälle geht es nach Port Williams, entlang der Küstenlinie, vorbei an zahllosen Lenga-Südbuchen und Vogelschwärmen. Im Hafen bringt uns ein Mädchen mit seinem alten Schlauchboot an Land. Eigentlich sollten alle Formalitäten schnell gelöst werden, aber die chilenischen Carabineros halten uns am kleinen Hafen fest.

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Ein schwerer Sturm ist angekündigt und ein paar bürokratische Komplikationen, in Chile völlig normal, wie wir bald lernen, hindern uns am Auslaufen. Ice Bird heißt unsere “Nussschale”, ein Segelboot von immerhin 20 Metern Länge. Der Name bezieht sich auf das kleine Boot, mit dem David Lewis einst die Antarktis als Erster (fast) im Alleingang umsegelte.

An Bord sind wir zu neunt: der junge Kapitän Oly, sein Assistent Dave, der Bergführer Phil mit seinen Kunden und wir drei, die einzigen Italiener.

02. Januar 2021:

Nach endlosen Stunden des Wartens stechen wir in See. Das Meer ist ruhig und die warmen Farben des Sonnenuntergangs geben mir ein gutes Gefühl. Einer unserer Reisebegleiter lässt eine Drohne über das Boot fliegen: Von außen sieht es wunderschön aus, wie uns ein langer Streifen funkelnden Lichts durchzieht. Alles geht glatt und wir ankern in der Nähe von Lennox Island, etwas westlich von Kap Hoorn, dem Schrecken der Seefahrer. Morgen werden wir uns nicht mehr auf den Schutz der Inseln verlassen können; wir müssen hinaus aufs offene Meer und die Drake-Passage durchqueren, die die beiden großen Ozeane, den Pazifik und den Atlantik, verbindet.

Die alten Geschichten von dieser Überquerung jagen mir Schauer über den Rücken, also ist es wohl besser, nicht daran zu denken.

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04. Januar 2021:

Heute hat meine Tochter Valentina Geburtstag. Gestern war schrecklich. Riesige lange Wellen peinigten uns, und zu segeln machte es nicht besser. Ich musste mich den ganzen Tag übergeben und alles tat mir weh. Jetzt ist es 15 Uhr und ich fühle mich etwas besser, nur mein Magen ist immer noch durcheinander. Glücklicherweise haben wir fast die Hälfte der Passage hinter uns. Ich helfe beim Boot putzen und lege mich dann für eine Weile ins Bett. Der Schlaf ist erlösend.

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06. Januar 2021:

Durch den Nebel sehen wir die ersten kleinen antarktischen Inseln. Draußen hat es 1°C und die Küste taucht in der Ferne ganz in Weiß auf. Alles da draußen erscheint weiß, kalt und starr. Der Gedanke daran, dort ein Zelt aufzustellen, lässt mich schaudern. In diese Lage haben wir uns selbst gebracht!

16.00 Uhr:

Der Tag zieht sich ewig in die Länge. Wir haben riesige Eisberge und unzählige Wale gesehen. Jetzt segeln wir an einer langen, schwindelerregenden zugefrorenen Küste entlang, die noch weit entfernt ist. Der Nebel verleiht der Umgebung eine surreale, raue und unwirtliche Atmosphäre. Das Meer ist ruhig und auf dem Boot ist es jetzt angenehm. Langsam bewegen wir uns zwischen diesen riesigen Eisblöcken voran. Wir scheinen im Nichts zu schweben und haben zugleich das Gefühl, unser erstes Ziel erreicht zu haben. Auf diese Eisberge zu klettern wäre eine gute und einfache Gelegenheit, um ein paar schöne Fotos zu schießen, aber unser Kapitän legt sein absolutes Veto ein: wenn einer dieser Eisblöcke umkippte, wäre das unser sicherer Tod. Egal, unser Ziel ist eh ein anderes: wir wollen Felswände erklettern – Fels, der sich allerdings als sehr schlecht herausstellt, zermahlen durch die tausendjährige Arbeit der Gletscher und in diesem Moment durch plötzliche Eisschmelze extrem gefährlich.

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