It ain’t over ’til it’s over

Text/Bilder: Hannes Huch

Gibt es einen definitiven Punkt im Kletterleben, an dem Du den sportlichen Sinkflug hinnehmen mußt? Oder ist es wie bei Rocky, der auch noch mit über sechzig Jahren protzte »I haven’t peaked yet«? Diese Frage können nur Menschen wie Ute Blaurock beantworten, die Dinge tun, die eigentlich für etwas Jüngere gedacht sind.

@Hannes Huch

Über die Ungerechtigkeiten des Alters fängt der gemeine Vertical Aficionado in der Regel spätestens dann an zu lamentieren, wenn eine Vier am Anfang das Alter markiert. Um dann mit der Fünf nur noch von den guten alten Zeiten zu träumen … Nicht so Ute! Kurz bevor sich bei ihr die Sechs ankündigte, beschloß sie alles auf eine Karte zu setzen und die komplette Saison in eine Route zu investieren. Und zwar in den »Daywalker«, dessem Grad von 8a immer noch eine gewisse Mystik innewohnt. Zumindest für diejenigen, die ohne 8a.nu aufgewachsen sind …

An dieser Stelle ein fun fact about Ute: Als sie in den 80ern lediglich auf der Suche nach einem Studentenzimmerchen war und im sechsten Grad durchs Vertikalleben chillte, landete sie durch Zufall im legendären Hotel Frankenjura von Güllich und Albert! Nichts ahnend frühstückte sie tagtäglich beispielsweise mit Jerry Moffatt und weilte mitten unter der Weltelite der internationalen Kletterszene, ohne zunächst auch nur einen Gedanken an Freeclimbing und »Pushing the limits« zu verschwenden. Irgendwann aber sprang das rotgepunktete Virus auch auf sie über.

@Hannes Huch

Wesentlich inspiriert wurde sie beim »Daywalker« von Kletterkultur-Gründer Joseph Wetzel, der vor ihren Augen eine Begehung mit maximaler Punktzahl in den Kategorien »Style« und »Flow« ablieferte. Und zudem jedes Detail seiner Beta mit Ute auf charmanteste Art und Weise teilte. Und auch wenn man am Anfang eigentlich gar nichts oder nur sehr wenig ging, war die Motivation groß, einmal die Leistungsgrenze komplett auszutesten.

Ute sagt, dass

»es selbst dann keine verlorene Saison gewesen sei, auch wenn es nicht geklappt hätte.«

18 Tage investierte sie in die Tour, bis ihr der Durchstieg gelang. Und fragt man sie nach dem Geheimrezept, ist es das schlichte »dranbleiben ist der Schlüssel«. So simpel, aber gleichzeitig auch so schwer umzusetzen! Und, ist noch Luft nach oben? »Eigentlich war ich am Begehungstag gar nicht so super ausgeruht und die Bedingungen waren auch nicht vom allerfeinsten, also könnt’ schon sein.« Ute, you haven’t peaked yet!

@Hannes Huch

www.rokblok.de

Previous Neuer Kletterführer von Versante Sud - Valtellina Bloc
Next Stefano Ghisolfi holt sich die erste Wiederholung von Adam Ondras CHANGE 9b+