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Janja Garnbret klettert als erste Frau Bibliographie (9b+)

Die zweifache Olympiasiegerin Janja Garnbret hat Klettergeschichte geschrieben. Am 6. Juni gelang der Slowenin die erfolgreiche Begehung der legendären Route „Bibliographie“ (9b+) im französischen Céüse. Damit ist sie die erste Frau, die diese anspruchsvolle Route meistern konnte, und erst die zweite Frau weltweit, die eine Kletterroute dieses Schwierigkeitsgrades bezwungen hat.

Historischer Meilenstein für Janja Garnbret

Mit ihrem Erfolg reiht sich Janja Garnbret in einen exklusiven Kreis von lediglich sechs Kletternden ein, die die 35 Meter lange Route „Bibliographie“ erfolgreich geklettert haben. Die Route zählt zu den schwierigsten Sportkletterrouten der Welt und liegt nur eine Bewertungsstufe unter dem aktuell höchsten Schwierigkeitsgrad 9c.

Die Slowenin gilt bereits als eine der erfolgreichsten Sportkletterinnen aller Zeiten. Seit ihrem WM-Titel im Lead-Klettern 2016 gewann sie zahlreiche weitere Weltmeisterschaften und schrieb Geschichte als erste Olympiasiegerin im Sportklettern bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020. 2024 verteidigte sie ihren Titel erfolgreich in Paris.

Die Herausforderung Bibliographie in Céüse

Eine der härtesten Kletterrouten der Welt

Die Route „Bibliographie“ befindet sich im weltberühmten Klettergebiet Céüse in den französischen Hautes-Alpes. Das Gebiet ist bekannt für seine anspruchsvollen Ausdauerrouten.

Die Route wurde 2009 vom US-Amerikaner Ethan Pringle eingerichtet und 2020 erstmals von Alexander Megos geklettert. Ursprünglich bewertete Megos die Route mit 9c. Nach der zweiten Begehung durch Stefano Ghisolfi wurde jedoch der Schwierigkeitsgrad 9b+ vorgeschlagen – eine Einschätzung, die heute allgemein anerkannt ist.

janja garnbret bibliographie 2
janja garnbret bibliographie 2 @janja garnbret

Über 80 Züge bis zum Umlenker

Die Begehung verlangt höchste körperliche und mentale Leistungsfähigkeit. Nach einem vergleichsweise leichteren Einstieg im Bereich 8a+/8b folgen zwei extrem schwierige Schlüsselstellen, die Garnbret jeweils auf etwa 9a-Niveau einschätzt.

Insgesamt umfasst die Route mehr als 80 Züge und dauert rund 15 Minuten. Am erfolgreichen Tag erreichte Garnbret gegen 16:30 Uhr den Umlenker und vollendete die historische Begehung.

Geduld und mentale Stärke als Schlüssel zum Erfolg

Für den Erfolg benötigte Garnbret insgesamt fünf Reisen nach Céüse. Optimale Bedingungen waren dabei selten. Oft verhinderten Hitze, Kälte oder schlechte Reibung einen erfolgreichen Versuch.

Besonders die mentale Herausforderung stellte für die 27-Jährige eine neue Erfahrung dar. Sie beschreibt sich selbst als ungeduldig und musste lernen, mit Rückschlägen umzugehen. Die Route verlangte kontinuierliches Ausprobieren, wiederholtes Scheitern und den festen Glauben an den Erfolg.

Vor ihrem Projekt erklärte Garnbret, dass sie nicht angetreten sei, um etwas zu beweisen. Vielmehr wolle sie junge Kletterinnen und Kletterer inspirieren, sich nicht von Schwierigkeitsgraden einschüchtern zu lassen.

Perfekte Bedingungen am entscheidenden Tag

Am Tag der erfolgreichen Begehung herrschten ideale Bedingungen. Temperaturen um 15 Grad Celsius und starker Wind sorgten für optimale Reibung am Fels. Bereits beim Aufwärmen fühlte sich Garnbret außergewöhnlich stark und ging mit einer lockeren, aber fokussierten Einstellung in den Versuch.

Diese Kombination aus Gelassenheit und Konzentration zahlte sich aus. Nach zahlreichen Rückschlägen gelang ihr schließlich der Durchstieg einer der anspruchsvollsten Sportkletterrouten der Welt.

Inspiration für die nächste Generation

Nach ihrem historischen Erfolg richtet Janja Garnbret eine klare Botschaft an junge Kletterinnen und Kletterer: Große Träume sind erreichbar, wenn man an sie glaubt und konsequent an ihnen arbeitet.

Die Route habe sie nicht nur sportlich weitergebracht, sondern auch persönlich wachsen lassen. Geduld, Ausdauer und mentale Stärke seien entscheidende Faktoren gewesen, um dieses Ziel zu erreichen.

Ausblick auf die kommenden Herausforderungen

Nach der erfolgreichen Begehung von Bibliographie richtet Garnbret ihren Fokus nun wieder auf den Wettkampfsport. Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles sowie die bevorstehenden Weltcup-Wettbewerbe könnte bereits der nächste Rekord folgen. Beim Weltcup in Innsbruck hat sie die Chance, als erste Athletin die Marke von 50 Weltcupsiegen zu erreichen.

Janja Garnbrets Erfolg an der Bibliographie zeigt eindrucksvoll, dass Grenzen im Klettersport immer wieder neu definiert werden können – unabhängig vom Geschlecht.

janja garnbret
janja garnbret ©janja garnbret

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