
Die Italienerin Camilla Moroni hat in Squamish, Kanada, Dreamcatcher (9a / 5.14d) geklettert und damit die dritte weibliche Begehung der legendären Route geschafft. Für Moroni ist die Begehung zugleich ihre erste 9a und die bislang härteste Sportkletterroute ihrer Karriere.
Rund zehn Sessions arbeitete die Italienerin an der ikonischen Linie, die Chris Sharma 2005 erstbegangen hatte.
Camilla Moroni klettert Dreamcatcher im neunten Grad
Mit der Begehung von Dreamcatcher erreicht Camilla Moroni einen neuen Meilenstein. Ihre bisher schwerste Route lag rund fünf Jahre zurück: In Spanien hatte sie damals eine 8b+ geklettert.
Moroni ist damit erst die dritte Frau überhaupt, der eine Begehung von Dreamcatcher gelungen ist. Vor ihr schrieben Paige Claassen und Michaela Kiersch Geschichte. Claassen gelang im September 2021 die erste weibliche Begehung, Kiersch folgte nur wenige Tage später mit der zweiten.
Dreamcatcher: Eine der bekanntesten schweren Routen Nordamerikas
Dreamcatcher wurde 2005 von Chris Sharma erstbegangen und entwickelte sich seitdem zu einem der bekanntesten schweren Sportkletterwege Nordamerikas.
Die rund zehn Meter lange beziehungsweise zehn Bohrhaken umfassende Linie führt über den Cacodemon Boulder unterhalb des Stawamus Chief in Squamish. Die Route verbindet technisch anspruchsvolle Plattenpassagen mit kräftigen Sloper-Sequenzen, Fingerlocks und einer fordernden, campusartigen Crux im oberen Teil.
Für Moroni ging die Bedeutung der Route allerdings weit über die reine Schwierigkeit hinaus.
„Ich habe früher von dieser Linie geträumt, aber immer gedacht, dass sie nur ein Traum bleiben würde – etwas, das nur in meinem Kopf existieren kann. Vor einigen Jahren erinnere ich mich daran, mit großer Bewunderung über Frauen gelesen zu haben, die weltweit extrem schwere Routen kletterten. Tief in mir dachte ich, dass ich niemals das Zeug dazu hätte, eine 9a zu klettern – es fühlte sich völlig außerhalb meiner Reichweite an.“
Meltdown macht eine 9a für Moroni realistischer
Die Vorstellung, eine Route in dieser Schwierigkeit überhaupt zu versuchen, wurde erst realistischer, nachdem Moroni im vergangenen Jahr Zeit an Meltdown in Yosemite verbracht hatte.
„Fast durch Zufall fand ich mich dabei wieder, Meltdown in Yosemite zu versuchen. Diese Erfahrung ließ mich erkennen, dass ich vielleicht mit etwas mehr Fitness auch etwas Schwereres versuchen könnte.“
Als anschließend die Pläne für eine Reise nach Squamish konkreter wurden, rückte Dreamcatcher sofort in den Mittelpunkt.
„Sobald wir planten, hierherzukommen, dachte ich sofort an diese Route – eine perfekte Linie auf Granit, genau der Felsstil, bei dem ich mich am meisten wie ich selbst fühle.“
Vorbereitung nach der Weltcup-Saison
Nach dem Ende der Weltcup-Saison richtete Moroni ihr Training gezielt auf die Ausdauer. In den vergangenen zwei Jahren hatte sie diesem Bereich vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit gewidmet, da ihr Fokus auf dem Wettkampfklettern und dem olympischen Zyklus gelegen hatte.
Die Vorbereitung empfand sie als eine der schönsten Trainingsphasen ihrer bisherigen Karriere.
„Nach dem Ende der Weltcup-Saison konzentrierte ich mich zum ersten Mal seit zwei Jahren, seit den Olympischen Spielen, wieder darauf, meine Ausdauer aufzubauen. Es war einer der Trainingsmonate, die ich am meisten genossen habe – ich trainierte mit großer Freude gemeinsam mit dem Team, das sich auf die Lead-Saison vorbereitete.“
Trotz dieser Vorbereitung war Moroni bei ihrer Ankunft in Squamish nicht sicher, ob Dreamcatcher tatsächlich ein realistisches Ziel sein würde.
„Am Anfang hatte ich Zweifel. Die schwerste Route, die ich jemals geklettert hatte, war wahrscheinlich eine eher leicht bewertete 8b+ in Spanien vor fünf Jahren. Ich fragte mich immer wieder, ob ich mir zu viel vorgenommen hatte. Der Gedanke, so viel Energie in ein Projekt zu stecken, bei dem ich nicht sicher war, ob ich es überhaupt schaffen würde, machte mir Angst.“
Nach einer Woche kommt der Durchbruch
Auch die ersten Sessions konnten diese Zweifel zunächst nicht zerstreuen. Moroni fühlte sich körperlich nicht auf ihrem besten Niveau. Bewegungen, die sie für machbar gehalten hatte, erwiesen sich als extrem schwierig.
Nach etwa einer Woche in Squamish änderte sich die Situation jedoch.
„Als ich ankam, fühlte ich mich körperlich furchtbar, als wäre all meine harte Arbeit verschwunden, und die Route fühlte sich unglaublich schwer an. Zum Glück fand ich nach einer Woche wieder den Zugang zu meinem Körper und begann, mich bei Bewegungen leicht zu fühlen, die zuvor unmöglich erschienen waren.“
Der Fortschritt kam Schritt für Schritt. Über etwa vier Sessions hinweg erreichte Moroni immer wieder das letzte Boulderproblem, bevor sie an der kraftvollen Campus-Bewegung stürzte. Doch die kleinen Fortschritte von Versuch zu Versuch hielten ihre Hoffnung aufrecht.
„Etwa vier Sessions lang fiel ich immer wieder am letzten Boulder an der Campus-Bewegung. Aber winzige Verbesserungen hielten meine Hoffnung am Leben. Schließlich begann ich, durch den ersten Abschnitt zu fließen und die obere Wand mit genügend Energie zu erreichen.“
Nach rund zehn Sessions wird der Traum Realität
Nach ungefähr zehn Sessions an Dreamcatcher fügte sich schließlich alles zusammen.
„Mit ein wenig Improvisation fand ich mich plötzlich oben auf dem Cacodemon Boulder wieder. Es war pure Erleichterung – ein Gefühl, das sich so sehr von dem Adrenalin bei Wettkämpfen unterscheidet.“
Mit Dreamcatcher gelang Moroni damit die schwerste Sportkletterbegehung ihrer Karriere – auf einer Route, die sie selbst lange für nahezu unerreichbar gehalten hatte.
„Ich dachte immer, dass es nur ein Traum bleiben würde.“
Am 24. September 2026 wurde dieser Traum Realität.
Dreamcatcher – die wichtigsten Fakten
- Route: Dreamcatcher
- Schwierigkeit: 9a / 5.14d
- Ort: Squamish, British Columbia, Kanada
- Erstbegehung: Chris Sharma, 2005
- Erste weibliche Begehung: Paige Claassen, September 2021
- Zweite weibliche Begehung: Michaela Kiersch, September 2021
- Dritte weibliche Begehung: Camilla Moroni, 24. September 2026
- Moronis Zeit an der Route: etwa zehn Sessions
Damit schreibt Camilla Moroni mit Dreamcatcher ein neues Kapitel in der Geschichte des Frauenkletterns – und erreicht gleichzeitig ihre erste 9a.







