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Pietro Vidi gelingt erste Wiederholung von Drifter’s Escape (9a+)

Der italienische Kletterer Pietro Vidi hat die erste Wiederholung der Tradroute Drifter’s Escape (9a+/5.15a) geschafft. Nach rund 15 Sessions und zehn Vorstiegsversuchen gelang ihm damit die zweite freie Begehung der außergewöhnlich anspruchsvollen Route von Connor Herson. Sie könnte zu den schwersten Tradkletterrouten der Welt gehören.

Drifter’s Escape: Zweite freie Begehung der Extremroute in Squamish

Drifter’s Escape befindet sich am legendären Stawamus Chief in Squamish, British Columbia, Kanada. Die Route wurde im Juli 2025 vom US-amerikanischen Kletterer Connor Herson erstmals frei geklettert. Bis zum erfolgreichen Durchstieg durch Pietro Vidi am Dienstag, dem 13. Oktober 2026, blieb sie ohne Wiederholung.

Die Linie folgt zwei leicht überhängenden, parallelen Rissen durch eine beeindruckende Granitwand hoch über Squamish. Drifter’s Escape verbindet technisch anspruchsvolle Kletterpassagen mit den mentalen Herausforderungen des Tradkletterns, bei dem die Sicherungen selbst platziert werden müssen.

Ursprünglich wurde die Route 1975 als technische Kletterroute erschlossen. Herson gelang die freie Begehung nach zwei Saisons intensiver Arbeit. Seine vorgeschlagene Bewertung von 9a+/5.15a ordnet die Route in die absolute Weltspitze des Tradkletterns ein.

Pietro Vidi: 15 Sessions für eine außergewöhnliche Begehung

Für Pietro Vidi war der Durchstieg der Höhepunkt eines intensiven Projekts. Rund 15 Sessions und zehn Vorstiegsversuche investierte der Italiener in die Route, die ihn zunehmend in ihren Bann zog.

„Die Linie ist absolut wunderschön. Sie folgt zwei leicht überhängenden, parallelen Rissen hoch über der Stadt und bietet einige der verrücktesten Griffe überhaupt“, beschreibt Vidi die Route.

Der Weg zum Erfolg war jedoch alles andere als einfach. Vidi hatte schon zahlreiche der schwierigsten Boulder, Tradrouten und Bigwalls der Welt geklettert. Dennoch stellte ihn Drifter’s Escape vor ungewöhnliche Herausforderungen.

„Der Kletterstil ist unglaublich komplex und technisch – auf eine Art, die ich bisher noch nie erlebt habe. Man muss extrem präzise sein, wenn man die Finger an den entscheidenden Zangengriffen und in den Rissen platziert. Außerdem muss man lernen, die Zehen in die schmalen Vertiefungen zu klemmen.“

Gerade der typische Kletterstil von Squamish verlangte ihm einiges ab. Maximale Kraft allein reichte nicht aus. Entscheidend waren präzise Bewegungen, sensibles Fußgefühl und die Fähigkeit, auch auf unsicheren Griffen möglichst entspannt zu bleiben.

Die entscheidenden Bewegungen am Fels finden

Während der Projektarbeit entwickelte sich Drifter’s Escape für Vidi beinahe zu einer Obsession.

„Es ist schon eine Weile her, dass ich so viele Sessions in ein Projekt investiert habe. Wie üblich wurde ich völlig besessen davon. Diesmal nahm es mich besonders stark in Anspruch. Es fühlte sich an, als würde mich der Drifter von jedem Winkel der Stadt aus beobachten. Überall, wo ich hinging, sah ich den Chief und diese geschwungene, weiße Wand vor mir.“

Nach einigen Sessions begannen die zunächst unmöglich erscheinenden Bewegungen allmählich Sinn zu ergeben. Besonders zwei Entdeckungen erwiesen sich als entscheidend: eine Ruheposition ohne Handkontakt in der Mitte der Route und eine alternative Bewegungssequenz für den oberen Abschnitt.

„Nach einigen Sessions fügten sich die unsicheren Bewegungen endlich zusammen. Als ich in der Mitte eine Ruheposition ohne Hände und für den oberen Teil eine andere Beta gefunden hatte, kam auch meine Motivation vollständig zurück“, berichtet Vidi.

Weniger Sicherungen, mehr psychischer Druck

Eine weitere wichtige Entscheidung traf Vidi bei der Absicherung. Anders als Connor Herson platzierte er weniger Sicherungen, um Kraft zu sparen und den ersten Teil der Route effizienter zu klettern.

Diese Strategie hatte allerdings ihren Preis: Mit weniger Sicherungen stieg der psychische Druck im Vorstieg deutlich.

„Ich entschied mich dafür, weniger Sicherungen als Connor zu legen, um Energie zu sparen. Dadurch wurde der erste Teil effizienter, aber auch ziemlich beängstigend. Das führte zu einigen sehr wackeligen Vorstiegsversuchen.“

Beinahe am Ziel: Der Kampf gegen Druck und Bedingungen

Mit zunehmender Zahl der Versuche wurde die Herausforderung immer stärker zu einer Frage der mentalen Kontrolle und der richtigen Bedingungen.

Bereits an seinem zweiten Tag mit Versuchen vom Einstieg aus kam Vidi dem Durchstieg gefährlich nahe. Überraschend gelang es ihm, die letzte schwierige Bewegung zu halten. Doch beim anschließenden Griff zum letzten Halt rutschte ihm die Hand ab.

„An meinem zweiten Tag mit Versuchen vom Boden aus hielt ich unerwartet die letzte schwierige Bewegung. Direkt danach rutschte mir beim Griff zum letzten Halt die Hand ab. Von diesem Moment an baute sich der Druck auf. Ich war überzeugt, dass ich die Route bald schaffen würde, doch dann begann ein Kampf mit den Bedingungen und meinem eigenen Kopf.“

Trotz dieser knappen Beinahe-Erfolge blieb der Durchstieg zunächst aus. Noch zweimal stürzte Vidi an der letzten Bewegung. Er musste geduldig bleiben und auf die passende Gelegenheit warten.

Schließlich passte alles zusammen.

„Nachdem ich an der letzten Bewegung noch zweimal gescheitert war, fand ich endlich den perfekten Rhythmus und drückte mich über den letzten Absatz.“

Damit war die erste Wiederholung von Drifter’s Escape geschafft.

Pietro Vidi baut seine beeindruckende Kletterbilanz weiter aus

Mit der Begehung von Drifter’s Escape feiert der 23-jährige Italiener einen weiteren bedeutenden Erfolg. Vidi hat sich in kurzer Zeit als einer der vielseitigsten Kletterer seiner Generation etabliert.

Zu seinen bisherigen Leistungen gehören die Begehung von Tribe (E11) in Italien sowie von Meltdown (E11) und Magic Line (E10) im Yosemite-Nationalpark. Im Jahr 2025 gelang ihm außerdem die zweite freie Begehung von Lurking Fear (5.13c) am El Capitan.

Mit der ersten Wiederholung von Drifter’s Escape unterstreicht Vidi erneut seine außergewöhnlichen Fähigkeiten in unterschiedlichen Disziplinen. Ob Bouldern, anspruchsvolles Tradklettern oder große Felswände: Der Italiener beweist, dass er auf höchstem Niveau mithalten kann.

Die Wiederholung von Drifter’s Escape ist dabei nicht nur ein weiterer Eintrag in seiner persönlichen Erfolgsliste. Sie liefert auch einen wichtigen neuen Bezugspunkt für die Diskussion um die Grenzen des modernen Tradkletterns.

Drifter’s Escape: Die wichtigsten Routendaten

  • Route: Drifter’s Escape
  • Schwierigkeit: 9a+/5.15a (vorgeschlagene Bewertung)
  • Standort: Stawamus Chief, Squamish, British Columbia, Kanada
  • Erste freie Begehung: Connor Herson, 14. Juli 2025
  • Zweite freie Begehung: Pietro Vidi, 13. Oktober 2026
  • Projektumfang: Rund 15 Sessions und zehn Vorstiegsversuche
  • Kletterstil: Tradklettern

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