Nina Caprez – das große Interview mit der Schweizer Ausnahmekletterin

Nina Caprez beeindruckt nicht nur durch ihre großartigen Leistungen am Fels, vielmehr ist sie eine der Sportlerinnen, die authentisch geblieben sind, konsequent ihren Weg geht und das, auf eine sehr sympathische Art und Weise.

Im Rahmen der Zusammenarbeit und dem Gewinnspiel mit HYDRO FLASK und der #REFILLFORGOOD Kampagne haben wir sie zum Interview gebeten.

©www.jeremy-bernard.com

CLIMAX: Nina, schön das Du Dir Zeit für uns nimmst! Du kommst aus dem Prättigau im schönen Schweizer Kanton Graubünden. Berge und Felsen gibt’s ja zu Genüge in der Gegend aus der Du kommst. Wann und wie kamst Du zum Klettern?

NINA: Ich wollte als Kind einfach alles gleich machen wie meine zwei großen Geschwister und die waren beide in der Jugendgruppe vom SAC Prättigau dabei. Mit 13 Jahren ging ich dann das erste Mal mit dieser coolen Truppe mit. Die Bergführer und Leiter haben uns alles gezeigt was man in den Bergen machen kann: Von Skitouren, über Hochtouren, über MSL Klettern und Sportkletterlager in Südfrankreich, bis hin zum Hallenklettern im Winter.

CLIMAX: Im Kanton Graubünden liegt ja auch ein Teil vom Heidiland (sorry, aber die Frage muss sein ;-)) Was hast Du mit einer der bekanntesten “Markenbotschafterin” der Schweiz gemeinsam? Die Kleine war ja sehr aufgeweckt, rebellisch, neugierig … ähnliches liest man auf Deiner Webseite (Stichwort: Leben auskosten mit den beiden größeren Schwestern, erzähl mal, wir sind gespannt).

NINA: Haha, ja die Heidi! Also ich muss einfach sagen, dass wenn du im Bündnerland aufwächst, dann hast du objektiv alles zum Glücklich sein. Die Natur hier ist einfach gewaltig und sehr unberührt. Wir kultivieren aktiv die Bergkultur und sind sehr stolz auf unsere Traditionen. Das hat mich als Kind sehr geprägt…. Ich bin ein Mensch der eigentlich sehr wenig braucht, um glücklich zu sein – einfach nur die Natur brauche ich, das ist genug.

CLIMAX: Apropos Markenbotschafterin: seit wann arbeitest Du mit HYDRO FLASK zusammen und wie kam es dazu?

NINA: Hydro Flask hat mich vor etwa 4 Jahren gefragt, ob ich für sie Botschafterin sein wolle. Ich fand die Marke toll und war sowieso schon immer davon überzeigt, seine eigene Trinkflasche zu haben und keine Plastikflaschen zu kaufen. Ich repräsentiere gerne Marken, die etwas Gutes auf die Beine stellen und wirklich von ihren Produkten überzeugt sind.

CLIMAX: Mit der aktuellen Kampagne „Refill For Good“ möchte Hydro Flask Menschen dazu bringen, konsequent auf Einwegbehälter zu verzichten. Man spricht ja oft über die Kleinigkeiten, die jeder in seinen Alltag integriert, um Umwelt und Klima zu helfen. Welche sind deine?

NINA: Ich produziere quasi keinen Abfall. Wenn ich einkaufen, gehe dann schaue ich extrem, dass ich kein Plastik kaufe. Alle Früchte und Gemüse wiege ich ab ohne Plastiksack und lege diese dann in meinen Einkaufskorb. Ich trinke eh am liebsten frisches Wasser und kaufe darum nie Getränke ein, die in einer PET-Flasche sind. Ich versuche einfach so viel als möglich wieder zu verwenden, statt den Müll zu trennen und wieder neuen zu kaufen (Also klar trenne ich den Müll auch). Zuhause haben wir keine Heizung, nur einen kleinen Holzofen.


Gallery: @Marc Daviet

CLIMAX: Im Laufe der Jahre bekommt man viele Antworten auf die Frage, was ist Klettern für Dich, welchen Stellenwert hat es und ist es Sport oder Lebenseinstellung für Dich? Mit welcher Antwort kannst Du uns überraschen?

NINA: Für mich war das Klettern einfach immer die natürlichste Sache der Welt. Ich habe mir nie groß die Frage gestellt, ob das Sinn macht oder nicht oder was ich in meinem Leben machen will. Ich fand es spannend dieser Intuition nachzugehen und war „gwunderig“ wo mich das Leben überall so hinbringt. Zum großen Schock aller Schweizer habe ich keine 3. Säule und habe noch keinen Gedanken an die Rente vergeudet….;-)

CLIMAX: Bezeichnest Du Dich selbst als Kletterprofi und wenn ja, seit wann? Oder gibt es eine andere Bezeichnung von Dir über Dich, die wir noch nicht kennen?

NINA: Seit etwa 15 Jahren verdiene ich einen großen Anteil meines Einkommens via das Klettern. Ich bezeichne mich ungern als Profi, weil das für mich immer so klingt, als ob ich für meine Spitzenleistungen bezahlt werde. Ich habe mir über die Jahre einfach ein Wissen angeeignet mit dem ich gerne arbeite. Sei das um eigene Träume im Sport zu realisieren, oder das Managen eines Filmteams an der Wand, spannende Geschichten über meine Abenteuer zu schreiben, oder ganz einfach die Leute mit einem guten Menschenverstand zu inspirieren. Ich liebe es, meine eigene Chefin zu sein, habe ein gutes Köpchen und bin ein sehr „projektorientierter“ Mensch, das sind wohl Qualitäten die man braucht, wenn man von seiner Passion leben will.

CLIMAX: Hast Du auch mal “richtig” gearbeitet? ;-))) Du weißt schon, Büro oder ähnlich … 9 to 5 und so …

NINA: Neeeee

CLIMAX: Zurück zum Klettern: Du magst es gerne lang, steil und schwer, richtig? Beispiel Silbergeier (8b+), Unendliche Geschichte (8b+) … beide im Rätikon, oder Hotel Supramonte (8b) auf Sardinien. Trügt der Schein, oder sind es wirklich die schweren Multipitch Routen mit Hängestand, viel Luft unter’m Hintern und schmerzenden Zehen, die Dich faszinieren?

NINA: Absolut! Da fühle ich mich am Lebendigsten. Ich mag den Kitzel im Bauch, wenn der Abstand mal weit ist. Ich liebe es, alles zu geben und ins Seil zu stürzen. Ich mag schöne Linien an meinem Limit, wo ich auch mal aufgeben muss. Steil muss nicht immer sein, halt einfach schön lang, mit viel Luft unter dem Füdli.

CLIMAX: Deine schwerste “kurze” Route war Helix (8c+) in Pic St. Loup. Wird sich auch Nina Caprez ins Geschichtsbuch der 9a kletternden Mädels verewigen ? Oder liegt Dein Fokus mehr im Bereich Reisen und Erkunden von Gebieten, Wiederholungen von schweren Multipitch oder Alpinrouten?

NINA: Ich musste feststellen dass der 9. Grad nicht für mich ist. Ich habe 2 verschiedene Touren in dieser Schwierigkeit probiert und musste feststellen, dass mein Herz nicht wirklich dabei war. Ich war nie ein großer Trainingsmensch und irgendwie kann ich bei Sportkletterrouten einfach nicht über mich hinauswachsen. Da fehlt wohl der Sinn fürs Abenteuer. Wenn ich eine 8b+ oder 8c in einer MSL probiere, dann kommt einfach die Nina-Maschine zum Vorschein und ich kann alles geben. Aber ist ja auch gut so, dass wir nicht alle gleich sind!

CLIMAX: Was ist mit “Schneestapfen” ? Expeditionen meinen wir ;-)))) Ist das etwas was Dich reizt, in große Höhen zu steigen (8000er) ?

NINA: Neeee. Was mich immer gereizt hat war das technische Aspekt beim Klettern. Ich war viel in Chamonix unterwegs, so richtig cool am Bergsteigen, aber das Ziel war immer eine pure Tour am Fels, auch wenn der Zu- und Abstieg oft über Schnee und Eis ging.

CLIMAX: Nun, zu guter Letzt wollen wir von Dir liebe Nina noch wissen, was steht als nächstes an ? Worauf dürfen wir uns freuen?

NINA: Ich bin seit einem Jahr an einem Projekt dran, das Andrea heiß. Mit meinem Partner Jérémy Bernard wollen wir sportliche Werte an Leute vermitteln, die jetzt nicht so das Glück hatten wie wir. Wir haben uns darum einen Unimog gekauft und haben den über das letzte Jahr (Covid sei Dank) in ein Basislager umgebaut. Wir haben sogar eine mobile Kletterwand dabei. Wir wollen Lokal und Fern die Leute einladen, um mit uns Zeit zu verbringen und diesen einfachen Lebensstiel zu teilen. Wir wollen vor allem Kids und Jugendliche für Klettern motivieren und denen das JO Gefühl, mit dem wir beide aufgewachsen sind, mitgeben. Sei das durchs Klettern an der Andreawand, oder am Fels, oder durch Vorträge, Filmnächte oder guten Festen am Lagerfeuer.
Kletterweise habe ich das Gefühl, dass ich alles geschafft, oder wenigstens Vollgas probiert habe, was ich wollte. Und jetzt liegt es mir viel mehr am Herzen, das was mir das Klettern beigebracht hat, weiterzugeben.

CLIMAX: Kurze Multiple Choice Frage, kennst Du das Climax Magazine ? Wie findest Du es ? 

ja ☑︎ gut ☑︎   (entschuldige bitte, wir haben keine weiteren Kästchen zum Ankreuzen gefunden ;-))))))))) (haha …)

CLIMAX: Im Ernst …

NINA: Ich kenne das Climax schon seit langer Zeit und war so froh, dass endlich mal ein qualitativ hochwertiges Print Magazin rauskam. Ich war auch schon mal die „olga“ in eurem Magazin. Ich mag den Humor und die Ideen für die verschiedenen Artikel, sind sehr kreativ. Good Job!
(Anmerkung der Redaktion: wir schmelzen gerade ;-))) Danke Nina!)

CLIMAX: Last Words … oder was möchtest Du unseren Lesern und/oder uns mitgeben ?

NINA: Dream Big.

CLIMAX: Was wir noch gerne von Dir wissen möchten:

Kaffee oder Tee? Kaffee!!!!!!

Early Bird oder Ausschlafen ? Sehr early Bird

Intuition oder Ratio? Intuition

Dynamisch oder Statisch ? Dynamisch

Freiheit oder Sicherheit ? Freiheit

Gitarre oder Schlagzeug ? Weder noch

5 Stern Hotel oder Bus ? Unimog

Freund oder Fels ? Freund

CLIMAX: Danke vielmals Nina und Alles Gute für Deine weiteren Projekte !
Günter (Team Climax)

NINA: CHEEEEERS!!!


UND HIER GEHT ES ZUM GEWINNSPIEL FÜR EINE DIESER HYDRO FLASK FLASCHEN (LIMITIERTE SONDEREDITION)
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